In diesem bemerkenswerten Interview schildert Alex, 18,seine Lernerfahrungen und Einsichten im Laufe des Kompetenztrainings CHANGE. Der Deutsch-Russe beschreibt sein bisheriges Leben, reflektiert über seine gegenwärtige Situation und schmiedet Pläne für seine Zukunft. Seine Haftzeit nutzte Alex, um seinen Hauptschulabschluss zu machen und sich weiter zu qualifizieren. Während des Trainings lernte er, blockierende und menschenfeindliche Einstellungen zu verändern und sich anderen Kulturen und Religionen zu öffnen. Seine offenen und ehrlichen Worte bewegen.
Interview von Ellen M. Zitzmann mit einem jugendlichen Absolventen des CHANGE Programms an der JVA Laufen-Lebenau am 14.12.2008
(c) Power for Peace e. V. München, 2008
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(Co-)Alkoholismus und Kinder aus Alkoholikerfamilien
Co-Abhängigkeit oder Co-Alkolholism
Co-Abhängige verhalten sich im Umgang mit anderen Menschen zunehmend „komischer“, weil sie in enger Beziehung zu einem (Alkohol-)Süchtigen / einer (Alkohol-)Süchtigen stehen. Sie bleiben bemerkenswert lange in ihrer Rolle, selbst wenn sich der eigene Verfall und Zusammenbruch schon klar abzeichnet.
Co-Abhängige gehen durch drei Phasen:
1. Beschützer- und Erklärungsphase:
Es wird nicht darüber gesprochen, was in der Familie vor sich geht. Weder reden die Familienmitglieder untereinander, noch spricht man sich mit Außenstehenden aus. In der Familie herrscht das Klima des „beredten Schweigens“, worunter der alkoholkranke Mensch leidet. Seine Schuld- und Schamgefühle nehmen zu.
2. Kontrollphase:
Die Versuche, zu erklären und zu beschützen erfahren Grenzen oder brechen zusammen. In der Familie / Gemeinschaft herrscht ein stummer Kampf um „die Flasche“. In dieser Phase erfährt der Alkoholiker / die Alkoholikerin seine / ihre Unselbstständigkeit. Der Alkoholkonsum wird gesteigert.
3. Anklagephase:
Vorwürfe und Schuldzuweisungen an den „saufenden Sündenbock“ nehmen zu. Co- Abhängige nehmen in diesem Prozess Schaden. Das allzulange Ausharren und „Nicht-an-sich-selbst-denken“ ermöglicht es dem Trinker / der Trinkerin weiterzutrinken.
Der (Ehe-)Partner / Die (Ehe-)Partnerin
Die Ehepartner von alkoholabhängigen Menschen sind in einer sehr schwierigen und angespannten Situation. In allen Fällen, in denen keine schnelle Trennung erfolgte, tritt ein zunehmend co-alkoholisches Verhalten auf, das sich mit den Jahren verfestigt. Hilfen sind:
· Informationen über Alkoholismus
· Räumliche Trennung (temporärer Hinauswurf des Kranken aus der Wohnung, räumliche Trennung innerhalb der Wohnung, innere Distanz)
· Professionelle Beratung: Seelenschmerz loswerden, authentisch und ehrlich!
Teil 4 erscheint am 25.5.2009
In dem Interview mit dem 16-jährigen Kosovo-Albaner, Valdrin, werden Themen rund um Multi-Kulturalität und Vielfalt besprochen. Es werden Haltungen, Einstellungen und Verhaltensweisen diskutiert und hinterfragt, die aktuelle Herausforderungen einer multi-kulturellen Gesellschaft aufzeigen und verdeutlichen.
Interview von Ellen M. Zitzmann mit einem jugendlichen Absolventen des CHANGE Programms an der JVA Laufen-Lebenau am 14.12.2008
(c) Power for Peace e. V. München, 2008
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Zur Situation des Alkoholikers
Er / Sie wird im Krankheitsverlauf zu einem einsamen Menschen. Nach und nach entsteht ein immer größerer Abstand zu den Mitmenschen, weil weder Zeit noch Lust vorhanden sind, sich mit anderen Menschen zu beschäftigen. Der Abhängige weiß häufig, dass er sich hier oder dort daneben be-nommen und „dummes Zeug“ geredet hat. Infolgedessen wird er / sie zukünftigen Konfliktsituationen aus dem Weg gehen. Eine Isolation entsteht in diesem Kreislauf praktisch immer, auch deswegen, da Alkoholiker dazu neigen, ihre Krankheit zu vertuschen.
Sucht-Krankheit
Jede „Sucht“ benötigt einige Jahre, bis sich erhebliche Verhaltensdefizite zeigen. So leben viele Alkoholiker immer noch in Familien, die meist in „besseren Zeiten“ gegründet worden sind. Die Ehen und Familien bleiben häufig erstaunlich lange (nach außen hin) stabil. Grund hierfür ist, dass der gesunde (Ehe-)Partner die Ehe und Familie sehr lange aufrecht zu erhalten versucht. Er / Sie versucht dem alkoholkranken Partner auf ungeeignete Weise zu helfen, in dem er / sie den Kranken zu schützen und zu decken versucht.
In diesem Prozess nehmen alle Betroffenen seelischen und körperlichen Schaden.
SUCHT beinhaltet das Suchen und die Sehnsucht nach einem erfüllten und sinnvollen Leben. Es ist ein Siechtum oder ein „Suizid auf Raten“.
Genetische und soziale Faktoren (Herkunftsfamilie, falsche Lernerfahrungen) spielen eine Rolle. Darüber hinaus das Alter, nicht-bewältigte Krisen (Eltern-Kind-Konflikte, Partnerschaftsprobleme), labile Psyche (sexuelle Ängste, Depressionen, Schwierigkeiten mit Gefühlen umzugehen), Kommunikationsprobleme, Geschlecht (Männer sind gefährdeter als Frauen).
Persönliches Ziel des Süchtigen:
Zustand zufriedener Abstinenz und ein erfülltes, sinnvolles Leben.
Teil 3 erscheint am 20.5.2009
Alex H., 18, berichtet über seine Haftzeit und wie er diese nutzt, um sich auf das Leben draußen und ein Leben ohne Gewalt vorzubereiten. Er erzählt von Beziehungen, der Vergangenheit, von (Lebens-)Zielen, Wünschen und Hoffnungen. Er denkt über das intensive Trainingsprogramm CHANGE nach, seinen Höhen und Tiefen. Alex hat durchgehalten. Prima!
Interview von Ellen M. Zitzmann mit einem jugendlichen Absolventen des CHANGE Kompetenzprogramms an der JVA Laufen-Lebenau am 14.12.2008
(c) Power for Peace e. V. München, 2008
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Wenn ein Vater / eine Mutter alkoholkrank ist, sind davon sowohl der / die (Ehe-)Partner/in, die Kinder als auch Verwandte, Kollegen, Freunde betroffen. Betroffen, weil sie in dem System Verhaltensmuster annehmen bzw. übernehmen, die dem Bereich „krankhaft“ zuzuordnen sind. Je länger Menschen in einem „kranken System“ verfangen sind, desto tiefere Schäden können sie davontragen.
Deshalb haben alle Betroffenen, vor allen Dingen Kinder und Jugendliche, ein Recht darauf, sachlich korrekt über Risiken und Gefahren von Suchtmitteln und über individuelle Gefährdungen aufgeklärt zu werden. Denn präventive Maßnahmen haben ohne Wissen über Gefahren / Risiken weder Sinn noch Wirkung!
Kinder und Jugendliche sind Opfer in mehrfacher Hinsicht:
1. Sie erhalten keine Informationen über eventuelle Folgeschädigungen und verhalten sich so, dass sich der Alkoholiker / die Alkoholikerin nicht verändert.
2. Sie sind körperlich unterlegen und rechtlich in ihrer Handlungsfähigkeit eingeschränkt.
3. Das Thema Alkohol / Alkoholismus wird innerhalb der Familie tabuisiert.
4. Kinder erhalten keine Informationen über hilfreiches Verhalten.
5. Sie haben Hemmungen, sich anderen Menschen anzuvertrauen.
6. Sie werden mit (Ehe-)Problemen ihrer Eltern konfrontiert, die sie extrem (über-)belasten.
Teil 2 erscheint am 15.05.09
Der 17–jährige Christian denkt über sich und sein Leben nach. Er berichtet über seiner Kindheit, über die Menschen, die ihm viel bedeuten und darüber wie er sich sein weiteres Leben vorstellt, wovor er Angst hat und warum er seinem Teufelskreis nicht entkommen wird. Zum Schluss des Interviews erwartet Sie ein spannender Höhepunkt.
Interview von Ellen M. Zitzmann mit einem jugendlichen Absolventen des CHANGE Programms an der JVA Laufen-Lebenau am 14.12.2008
(c) Power for Peace e. V. München, 2008
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Volksfest
„Einen Tag später ging das Volksfest in der Stadt los. Ich war voll mit Drogen. Mein Freund, Serkan, und ich tranken etliche Maß Bier. Gegen Mitternacht trennten sich unsere Wege. Ich wollte nach Hause, als mir einige Leute entgegenkamen. Unter ihnen war der Typ vom Skater-Shop, dem ich ein paar Tage zuvor einige Schläge verpasst hatte. Ich dachte mir nichts weiter und lief an ihnen vorbei. Plötzlich rief der Typ laut, dass ich ihn geschlagen hätte. Die anderen kamen auf mich zu und verprügelten mich. Ich hatte keine Chance. Mit einer blutenden Nase lag ich am Boden. Ein älterer Mann half mir und fragte mich, ob er den Notdienst rufen solle. Ich lief zurück zum Volksfest und in das Bierzelt, wo die Truppe hingegangen war. Blind schlug ich auf den ersten ein, bis mich der Türsteher rauszog und die Polizei verständigte.
Wutlauf
Die Nacht verbrachte ich in der Arrestzelle der Polizei. Am nächsten Tag war ich mit der Auflage entlassen worden, das Volksfest nicht mehr zu betreten. Als erstes konsumierte ich Heroin. Anschließend organisierte ich ein paar Kollegen, um die Typen von gestern fertigzumachen. Wir gingen alle zusammen auf das Volksfest. Ich nahm mein Springmesser mit. Irgendwann trafen wir unsere Gegner. Wir warteten auf sie vor dem Bierzelt. Ich hatte die ganze Zeit das Bild im Kopf, wie klein der Typ im Skater-Shop war und wie groß er sich fühlte, als sie mich gemeinsam fertig machten. Als die Truppe das Zelt verließ, lief ich hinter dem Typen her. Ich schlug auf ihn ein und stach ihm mit dem Messer in den Hals und in die Achsel. Seine Freunde holten die Polizei und den Notarzt. Ich wurde festgenommen. Der Typ überlebte – zum Glück!
Nun sitze ich seit zwei Jahren meine Strafe von vier Jahren und zwei Monaten ab. Mit meiner Freundin bin ich mittlerweile wieder zusammen. Ich will richtig „clean“ werden und bleiben, denn nur so hat mein Leben einen Sinn.”
Aus „Ich gehe meinen Weg – mit Kraft und Mut verändern”, CHANGE Arbeitsbuch 4, PfP, München 2009
In der Reportage berichtet Christian Engert, Leitender Regierungsdirektor, Katharina Mausfeld, ehem. Anstaltspsychologin und Ellen M. Zitzmann, Gründerin und Vereinsvorsitzende, über die praktischen (Aus-)Wirkungen und Ansatzpunkte der Anti-Gewalt-Trainings an der JVA Bernau am Chiemsee in Zusammenarbeit mit dem Verein Power for Peace. Darüber hinaus hören Sie live verschiedene Kommentare von den Gefängnisinsassen selbst.
Produktion: Bayerischer Rundfunk, 2005
(c) Power for Peace e. V. München, 2005
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Eifersucht und Beziehungsstress
„Christina berichtete mir, dass sie ein Typ belästigte. Den Typen kannte ich, und ich wollte ihn fertigmachen. Ich bin am nächsten Tag mit meinem besten Freund in den Skater-Shop gegangen, wo dieser Typ arbeitete. Ich prügelte auf ihn ein und gab ihm zu verstehen, dass er Christina in Ruhe lassen soll. Damit war er einverstanden. Wir reichten uns die Hand.
Ein paar Tage später stritten Christina und ich wegen einer Porno-DVD, die sie bei mir gefunden hatte. Mir ging es an diesem Tag echt dreckig. Sie verstand meinen Zustand leider nicht und schrie die ganze Zeit herum, bis ich ihr eine Ohrfeige verpasste. Sie fiel auf den Boden. Ich entschuldigte mich. Sie trat mit ihren Füßen gegen mich, was mich sehr wütend machte, sodass ich noch ein paar Mal auf sie einschlug. Sie lief raus. Mir war klar, dass damit unsere Beziehung beendet war. Mein Kopf war kaputt. Es tat mir wirklich sehr leid. Auf meine Anrufe reagierte sie nicht. Ich betäubte mich noch mehr mit Heroin und Alkohol.”
Aus „Ich gehe meinen Weg – mit Kraft und Mut verändern”, CHANGE Arbeitsbuch 4, PfP, München 2009



