„ Der eine schimpft, der andere schreit: zum Nachdenken noch nicht bereit. Man tritt und schlägt, fragt nicht warum. Grundprinzipiell ist man nicht dumm. Doch immer ist der andere Schuld. Sich selbst zu sehen, dafür ist keine Geduld! Ob Rassisten oder nicht: Gewalt ist immer ziemlich schlicht. Schlägt man im Zorn, das ist einfach primitiv.
Nutz deinen Kopf und du wirst sehen, ohne Gewalt kann es weitergehen. Durch Prügel schließt sich der Kreis: Du mich – ich dich – wir uns.
Sag einfach STOP, sag Friede, Mann! Ein jeder lebt so wie er kann. Du bist du, das ist okay. Ich bin ich und „this is my way!”
Jörg Hänicke, München
sagt ein afrikanisches Sprichwort.
Während des 100-stündigen Trainings CHANGE!, das von März bis Juni 2009, an der JVA Laufen-Lebenau stattgefunden hat, hat jeder einzelne jugendliche Teilnehmer die Einsicht gewonnen, dass, wenn sich negative Verhaltensweisen nicht verändern, sich das Leben auch nicht verbessert.
In den vielen Stunden haben wir alle erfahren, dass Sucht, egal welche, und Gewalt Sackgassen in unserem Leben sind, aus denen wir nur herauskommen, wenn wir die Kraft und den Mut aufbringen, innezuhalten, nachzudenken und einen anderen Weg einzuschlagen. Klar, dass das keine einfache Aufgabe ist und wir werden sicher auch Rückschläge einstecken müssen, aber wir wissen auch, dass auch der längste Weg mit kleinen Schritten anfängt und mit jedem Erfolg, den wir uns erarbeiten, wächst unser Selbstvertrauen, weiterzugehen und einen neuen Anfang zu wagen.
In den 4 Change!-Trainings und den Arbeitsgruppen haben wir nicht nur eine Menge gelernt, sondern sind auch zu einer tollen Gruppe und Gemeinschaft zusammengewachsen.
Die Gruppe ging im letzten gemeinsamen Kurs am 21. Juni in einer Abschiedsstimmung aus Wehmut, aber auch mit Zuversicht und festem Willen, in ein neues Leben aufzubrechen, auseinander.
Clemens Abert, Berufsschullehrer und leitender Trainer
In dem Interview mit dem 16-jährigen Kosovo-Albaner, Valdrin, werden Themen rund um Multi-Kulturalität und Vielfalt besprochen. Es werden Haltungen, Einstellungen und Verhaltensweisen diskutiert und hinterfragt, die aktuelle Herausforderungen einer multi-kulturellen Gesellschaft aufzeigen und verdeutlichen.
Interview von Ellen M. Zitzmann mit einem jugendlichen Absolventen des CHANGE Programms an der JVA Laufen-Lebenau am 14.12.2008
(c) Power for Peace e. V. München, 2008
Podcast: Download (12.4MB)
Alex H., 18, berichtet über seine Haftzeit und wie er diese nutzt, um sich auf das Leben draußen und ein Leben ohne Gewalt vorzubereiten. Er erzählt von Beziehungen, der Vergangenheit, von (Lebens-)Zielen, Wünschen und Hoffnungen. Er denkt über das intensive Trainingsprogramm CHANGE nach, seinen Höhen und Tiefen. Alex hat durchgehalten. Prima!
Interview von Ellen M. Zitzmann mit einem jugendlichen Absolventen des CHANGE Kompetenzprogramms an der JVA Laufen-Lebenau am 14.12.2008
(c) Power for Peace e. V. München, 2008
Podcast: Download (8.6MB)
Volksfest
„Einen Tag später ging das Volksfest in der Stadt los. Ich war voll mit Drogen. Mein Freund, Serkan, und ich tranken etliche Maß Bier. Gegen Mitternacht trennten sich unsere Wege. Ich wollte nach Hause, als mir einige Leute entgegenkamen. Unter ihnen war der Typ vom Skater-Shop, dem ich ein paar Tage zuvor einige Schläge verpasst hatte. Ich dachte mir nichts weiter und lief an ihnen vorbei. Plötzlich rief der Typ laut, dass ich ihn geschlagen hätte. Die anderen kamen auf mich zu und verprügelten mich. Ich hatte keine Chance. Mit einer blutenden Nase lag ich am Boden. Ein älterer Mann half mir und fragte mich, ob er den Notdienst rufen solle. Ich lief zurück zum Volksfest und in das Bierzelt, wo die Truppe hingegangen war. Blind schlug ich auf den ersten ein, bis mich der Türsteher rauszog und die Polizei verständigte.
Wutlauf
Die Nacht verbrachte ich in der Arrestzelle der Polizei. Am nächsten Tag war ich mit der Auflage entlassen worden, das Volksfest nicht mehr zu betreten. Als erstes konsumierte ich Heroin. Anschließend organisierte ich ein paar Kollegen, um die Typen von gestern fertigzumachen. Wir gingen alle zusammen auf das Volksfest. Ich nahm mein Springmesser mit. Irgendwann trafen wir unsere Gegner. Wir warteten auf sie vor dem Bierzelt. Ich hatte die ganze Zeit das Bild im Kopf, wie klein der Typ im Skater-Shop war und wie groß er sich fühlte, als sie mich gemeinsam fertig machten. Als die Truppe das Zelt verließ, lief ich hinter dem Typen her. Ich schlug auf ihn ein und stach ihm mit dem Messer in den Hals und in die Achsel. Seine Freunde holten die Polizei und den Notarzt. Ich wurde festgenommen. Der Typ überlebte – zum Glück!
Nun sitze ich seit zwei Jahren meine Strafe von vier Jahren und zwei Monaten ab. Mit meiner Freundin bin ich mittlerweile wieder zusammen. Ich will richtig „clean“ werden und bleiben, denn nur so hat mein Leben einen Sinn.”
Aus „Ich gehe meinen Weg – mit Kraft und Mut verändern”, CHANGE Arbeitsbuch 4, PfP, München 2009
| Die Zeitungen sind täglich voll mit Nachrichten über Gewalt. Gewalt begegnet uns auf Schritt und Tritt: in der Schule, auf der Straße, in der Freizeit, bei der Arbeit, in der S-Bahn, auch im eigenen Heim.
Gewalt richtet sich gegen Menschen und Sachen. Viele beklagen, dass die Gewalt ständig anwächst und Gewalttätigkeiten immer brutaler werden. |
Auf den ersten Blick …
… reicht die körperliche Gewalt von brennenden Wangen nach Ohrfeigen über gebrochene Knochen bis zu lebensgefährlichen Verletzungen. Dabei handelt es sich um eine Tat, die zu körperlichen Schädigungen bei anderen führt.
Auf den zweiten Blick …
… ergeben sich Fragen: Ist jede Ohrfeige Ausdruck von körperlicher Gewalt? Kann von Gewalt gesprochen werden, wenn zum Beispiel ein betrunkener Mann daran gehindert wird, Auto zu fahren und der Helfer oder die Helferin von ihm eine Ohrfeige kassiert?
Denke über die beiden Stellungnahmen nach. Schreibe uns deinen Kommentar.
Welche Erfahrungen mit körperlicher Gewalt hast du schon gemacht?
Inzwischen zog Tom zu seinem Vater, weil die Mutter einfach nicht mehr mit ihm, trotz der bereits 15 stattgefundenen Beratungstermine, zurechtkam. Nun beteiligte sich auch der Vater an der Erziehungsberatung.
Der erste Beratungstermin, der mit der kompletten Familie stattfinden sollte, war nun der Auslöser für die verhängnisvollen Folgen. Es ging dabei darum, bei welchem Elternteil Tom in Zukunft leben soll. Diese Auseinandersetzung konnte er so sehr nicht ertragen, dass Tom das Treffen verließ, seine Sachen packte und abhauen wollte, um im „deutschen Osten“ ein neues Leben ohne seine Eltern zu beginnen.
Weil aber der gewünschte Zug erst spät in der Nacht ging, verabredete er sich noch mit einem Kumpel. Beide tranken ziemlich viel Bier, dröhnten sich den Kopf mit rechtsradikalen Liedern voll und beschlossen, ein nahe gelegenes Asylantenheim abzufackeln. Die notwendigen Utensilien wie Benzin, Flaschen und Lunten hatte man sich bei früherer Gelegenheit schon besorgt. Ganz spontan konnten sie also nun loslegen und zur Tat schreiten.
Nachts um 2 Uhr fuhren sie zu diesem Heim und bewarfen es mit vier benzingefüllten und entzündeten Flaschen. Tom betrat den Hausflur und verschüttete dort zusätzlich Benzin. Nachdem er das Haus verlassen hatte warfen beide gemeinsam die Molotow-Cocktails in den Hausgang und durch geöffnete Fenster. Große Teile des Gebäudes standen sofort in Flammen. Den beiden Tätern war bewusst, dass sich zu dieser Zeit eine Vielzahl von Menschen schlafend aufhielten.
Glücklicherweise konnten sich aber alle 18 Personen vor den Flammen retten, so dass es zu keinen nennenswerten Verletzungen kam. Nachdem die Ermittlungen abgeschlossen waren und die beiden Täter einige Monate in Untersuchungshaft verbracht hatten, wurden beide zu jeweils 6 Jahren Jugendstrafe verurteilt.
Artikel vom 11.3.2009, Teil 2
Das Wort „AMOK” kommt von malaischmeng-àmok und bedeutet, in blinder Wut angreifen und töten. Es ist ein Zustand heftiger, rasender und wütender Gemütserregung mit Panik und aggressiver Angriffs- und Mordlust.
Amok laufen heißt, in einem Zustand krankhafter Verwirrung mordend umherlaufen. Es gibt Amokfahrer, Amokläufer und Amokschützen.
Ist es aufgestaute Wut, brutale Machtausübung, menschenverachtendes Videomaterial oder sind es psychische Störungen und Erkrankungen wie Schizophrenie, krankhafter Narzissmus? Die Gründe sind komplex und es sind immer individuelle Lebensgeschichten, die es aufzuarbeiten und zu ergründen gilt.
Aufgestaute Wut:
Wenn wir Enttäuschungen, Ängste, Eifersucht, Neid nicht rechtzeitig verarbeiten, sondern sie in uns aufstauen, zuweilen über Jahre hinweg, erhöht sich der innere Druck solange, bis wir dem Stress nicht mehr gewachsen sind. In diesem Zustand wird das Reptiliengehirn mit seinen niedrigen, tierischen Instinkten aktiv. Der körperliche Zustand verändert sich: Blut fließt in die großen Muskelgruppen zur Vorbereitung auf den Überlebensmechanismus „Flucht, Kampf, Schockstarre”. In dieser Extremsituation steigt der Adrenalinspiegel, der Herzschlag erhöht sich, der Blutdruck steigt. Wir atmen schneller und unsere Muskeln sind zu außerordentlichen Leistungen bereit. Der ganze ganze Körper ist auf Aktion ausgerichtet und verabreicht uns hohe Dosen von Stresshormonen. In diesem Tunnel gefangen, kommt es zu blinden, kopflosen, oft gefährlichen Handlungen.
Ellen M. Zitzmann, Vorsitzende, Power for Peace München
Die schlechte Nachricht über Gefühle und Emotionen!
Wenn sich Ärger ,Wut, Eifersucht oder Neid aufstauen, dann werden sich diese Gefühle und Emotionen eines Tages sehr negativ auswirken.
Ärger ist ein Gefühl von starkem Unwohlsein, das durch Verletzungen und Provokationen von anderen verursacht wird. Ärger zeigt sich besonders extrem, wenn wir von Familienmitgliedern, engen Freunden oder uns nahestehenden Menschen verletzt und missachtet werden.
Hinter Ärger verbirgt sich häufig ein Gefühl der Rache.
Wut und Ärger sind sekundäre Emotionen. Sie treten auf, weil sie von einem vorausgegangenen Gefühl oder einer anderen Emotion wie Angst, Traurigkeit oder Enttäuschung verursacht sind. Wut und Ärger nehmen im Verlauf zu!
Es werden vier Ärger- und Wutstufen unterschieden:
1. Niedrig: Menschen sind irritiert, genervt, betroffen!
2. Gemäßigt: Verärgert, auf die Palme gebracht, aufgeregt!
3. Hoch: Gewalttätig, aufgebracht, fuchsteufelswild!
4. Äußerst hoch: Rasend, wahnsinnig, gefährlich, mörderisch.
Diskutieren Sie mit uns, Ihrer Familie und Freunden über Ihre derzeitige Ärger- bzw. Wutstufe, wie Sie sich fühlen und was Sie unternehmen, damit sich Ihre Wut nicht verschlimmert?
Morgen erfahren Sie etwas zum Thema „Frusttopf”.
Ellen M. Zitzmann, Vorsitzende Power for Peace
zum Teil 1 der Lebensgeschichte von Walter Klingenbeck
zum Teil 2 der Lebensgeschichte von Walter Klingenbeck
zum Teil 1 der Lebensgeschichte von Walter Klingenbeck
Klingenbeck, von Recklinghausen und Haberl, wurden wegen landesverräterischer Feindbegünstigung, Vorbereitung zum Hochverrat und Schwarzsendens als einzige zum Tode verurteilt. Die anderen Komplizen erhielten Gefängnisstrafen. In der Begründung für die Todesurteile hieß es, die Aktivitäten der Angeklagten hätten dazu beigetragen, „die innere Front zu lähmen“. „Wer in der Notzeit des Krieges in dieser verbrecherischen Weise seinem Volk in den Rücken fällt, ist ein Verräter und hat keinen Platz mehr in der deutschen Volksgemeinschaft.“
Elf Monate verbrachten die drei Todeskandidaten im Gefängnis München-Stadelheim. Am 2. August 1943 waren Daniel von Recklinghausen und Hans Haberl zu acht Jahren Zuchthaus begnadigt worden.
Walter Klingenbeck wurde hingegen drei Tage später, am 5. August 1943 um 17 Uhr hingerichtet. Er ging sehr gefaßt in den Tod, mit dem er wohl schon nach seiner Festnahme gerechnet hatte. Davon zeugen auch die Abschiedsbriefe an seine Freunde. An Hans Haberl schrieb er: „Lieber Johnny! Vorhin habe ich von deiner Begnadigung erfahren. Gratuliere. Mein Gesuch ist allerdings abgelehnt. Ergo geht’s dahin. Nimm’s net tragisch. Du bist ja durch. Das ist schon viel wert. Ich habe soeben die Sakramente empfangen und bin jetzt ganz gefaßt. Wenn du etwas für mich tun willst, bete ein paar Vaterunser. Lebe wohl. Walter.“ In einem weiteren, ähnlich gehaltenen Brief an seinen Freund Max Müller schrieb er: „Ich weiß, wofür ich mein Leben lasse.“
Klingenbecks Gefährten blieben bis zum Kriegsende in Haft. Hans Haberl ließ die Radioleidenschaft auch dort nicht los. Es gelang ihm mit eingeschmuggelten Materialien 1944 einen Kleinstempfänger vor der Größe einer Streichholzschachtel zu bauen. Auf diese Weise durchbrach er für sich und seine Mitgefangenen die Isolation von der Außenwelt.
Die Verhandlung gegen Klingenbeck und seine Mitangeklagten der Vizepräsident des Volksgerichtshofs, Karl Engert, geleitet. Er war ein fanatischer Nationalsozialist der ersten Stunde. 1933 begann sein Aufstieg mit der Berufung als Ministerialrat ins bayerische Justizministerium. Zum Volksgerichtshof kam er 1936. 1938 wurde er dessen Vizepräsident. 1942 stieg er zum Ministerialdirektor im Reichsjustizministerium auf. Nach seiner Auffassung mussten Ankläger und Richter am Volksgerichtshof „in erster Linie Politiker und dann erst Richter“ sein. So hatte der Vater von zwei Töchtern gemäß seiner Devise: „Heil dem Führer“, keine Hemmungen, auch Jugendliche in den Tod zu schicken.
(aus „Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus 1998“, Bezirksausschuss Maxvorstadt: Jürgen Zarusky „… nur eine Wachstumskrankheit?“, Jugendwiderstand in Hamburg und München. Dachauer Blätter 1991, S. 210-229.)



