Willkommen auf » Emotionale Kompetenzen

sagt ein afrikanisches Sprichwort.

Während des 100-stündigen Trainings CHANGE!, das von März bis Juni 2009, an der JVA Laufen-Lebenau stattgefunden hat, hat jeder einzelne jugendliche Teilnehmer die Einsicht gewonnen, dass, wenn sich negative Verhaltensweisen nicht verändern, sich das Leben auch nicht verbessert. 

In den vielen Stunden haben wir alle erfahren, dass Sucht, egal welche, und Gewalt Sackgassen in unserem Leben sind, aus denen wir nur herauskommen, wenn wir die Kraft und den Mut aufbringen, innezuhalten, nachzudenken und einen anderen Weg einzuschlagen. Klar, dass das keine einfache Aufgabe ist und wir werden sicher auch Rückschläge einstecken müssen, aber wir wissen auch, dass auch der längste Weg mit kleinen Schritten anfängt und mit jedem Erfolg, den wir uns erarbeiten, wächst unser Selbstvertrauen, weiterzugehen und einen neuen Anfang zu wagen.

In den 4 Change!-Trainings und den Arbeitsgruppen haben wir nicht nur eine Menge gelernt, sondern sind auch zu einer tollen Gruppe und Gemeinschaft zusammengewachsen.

Die Gruppe ging im letzten gemeinsamen Kurs am 21. Juni in einer Abschiedsstimmung aus Wehmut, aber auch mit Zuversicht und festem Willen, in ein neues Leben aufzubrechen, auseinander.

 

Clemens Abert, Berufsschullehrer und leitender Trainer

Die erste Liebe macht (fast) wahnsinng. Man fühlt sich wie kurz vor einer Explosion:

Du schläfst weniger!
Du gibst mehr Geld aus!
Du bist voller Energie!
Du siehst alles durch eine rosarote Brille!

Im ersten Moment wirst du getragen –
im nächsten Moment verlierst du den Boden unter den Füßen!
Die Noten verschlechtern sich.

Manche vernachlässigen ihre Hobbys.

Manche feiern rund um die Uhr …

Ängste und Sorgen von Eltern sind:

  • Hoffentlich ist es nicht zu früh.
  • Hoffentlich steckt sich mein Kind nicht mit einer schlimmen Geschlechtskrankheit an.
  • Hoffentlich wird unsere Tochter nicht zu früh schwanger.
  • Hoffentlich zeugt unser Sohn nicht zu früh ein Kind.
  • Hoffentlich ist unser Kind nicht homosexuell.

Merk dir!

Verliebtsein kann der Beginn einer großen Liebe und langjährigen Partnerschaft sein. Das Gefühl kann sich aber auch wieder auflösen.

Manche Liebesbeziehungen halten ein Leben lang, andere wiederum einige Jahre, manche dauern ein paar Wochen, andere eine Nacht. Manche Paare sagen, dass Freundschaft mehr zählt als Leidenschaft und Sex. Andere können sich eine Liebesbeziehung ohne Leidenschaft und Sex nicht vorstellen.

Für eine gute Beziehung ist es zunächst einmal wichtig, die richtige Partnerin/den richtigen Partner zu finden. Deshalb ist es auch notwendig – wie Prof. Dr. Friedrich sagt – zu experimentieren, also Erfahrungen mit verschiedenen Partnerinnen und Partnern zu machen.

 

„Total verknallt war ich das erste Mal mit 14. Da habe ich Tim getroffen. Er war 15. Ein süßer Typ. Ich war wie elektrisiert, wenn er mir nahe kam. Ich spürte, dass es toll sein könnte, wenn er mich küsst oder berührt. In meinem Kopf drehten sich nur noch alle Gedanken um ihn. Aber ich war auch voll von Zweifeln: Wie findet er mich? Verhalte ich mich richtig? Lache ich zu laut? Jedes Mal, wenn ich Tim traf, fuhr mein Magen Achterbahn und meine Zunge war wie gelähmt.”
Steffi, 14 Jahre

Mehmet, 14 Jahre schreibt:
„Es ist für einen Moslem eine Sünde, vor der Ehe Sex zu haben – aber ich bin auf den Geschmack gekommen!”

Jasmin, 16 Jahre:
„Liebe ist für mich ein sehr starkes Gefühl, zum Leben so notwendig wie Luft und Wasser. Ein Gefühl ohne Bedingungen, ohne Wenn und Aber!”

„Ich rede nicht von meiner Freundin, sondern von meiner Frau. Wenn ich nach Hause komme, dann hat sie gekocht, den Tisch aufgeräumt und Kaffee gemacht.”
Aladin, 15 Jahre

Diskutiert über diese Fragen:
Wie erging es dir mit deiner ersten Liebe?
Hast du mit deinen Eltern darüber gesprochen?

Diskutiert mit uns über Liebe und Partnerschaft.

Neben der Berufswahl triffst du mit der Partnerschaftswahl eine der wichtigsten Entscheidungen in deinem Leben. Du legst damit den Grundstein für eine konkrete Liebesbeziehung. Wissenschaftliche Untersuchungen haben ergeben, dass Zweisamkeit, Treue und der behutsame Umgang mit der Partnerin/dem Partner für Jugendliche und junge Heranwachsende zu einer guten Partnerschaft gehören.

Eine Beziehung muss nicht notwendigerweise besser sein, wenn sie länger geht. Aber eine gute, harmonische Beziehung dauert meist länger als eine schlechte und problematische Beziehung.

Diskutiert über diese Fragen:
Würdest du deine Traumfrau/deinen Traummann heiraten? Begründe.

scan24

ICH-Sätze eignen sich gut dazu, schwierige Sachverhalte verantwortungsvoll und tolerant zu formulieren.

ICH-Sätze bestehen aus drei Teilen:

Teil 1: Beschreibung des Verhalten:
Ich bin traurig, …

Teil 2: Beschreibung des Gefühls, dass das Verhalten von anderen auslöst:
wenn du nicht mit mir sprichst,

Teil 3: Wirkung des Verhaltens vom anderen auf dich.
weil ich dann nicht weiß, was los ist.

 

Unsere Kommunikation, also wie wir miteinander sprechen und uns verhalten, ist nie ganz frei von Angriffssätzen und Gewalt. Es macht keinen Sinn, dies zu leugnen und zu beschönigen.

Wenn sich Ängste und Ärger aufgestaut haben, musst du auf deine Worte ganz besonders achtgeben. Achte auch darauf, wann und wie du deine Sätze gegenüber anderen äußerst.

Mex Power

„Wenn man einen Zustand der inneren Freiheit von den Emotionen erreicht, so heißt das nicht, dass man apathisch oder gefühllos wird oder die Welt deswegen ihre Farbigkeit verliert. Statt ständig zum Spielball negativer Gedanken, Launen und unseres Temperaments zu werden, sind wir dann einfach zu Meistern geworden.”

Matthieu Ricard

„Die Weisheit des Buddhismus Tag für Tag”, Danielle und Olivier Föllmi, Knesebeck

Der aus der Ukraine stammende Denys berichtet über seine Lernerfahrungen und Einsichten im Verlauf des Kompetenztrainings CHANGE an der JVA Laufen-Lebenau. Der 17-Jährige denkt u. a. über seine (Lebens-)Ziele und Eigenschaften nach und auch darüber wie er seine Lieblingseigenschaft der Risikobereitschaft für sich und andere positiv anwenden kann.

Interview von Ellen M. Zitzmann mit einem jugendlichen Absolventen des CHANGE Programms an der JVA Laufen-Lebenau am 14.12.2008

Jugendlicher Absolvent: Denys
(c) Power for Peace e. V. München, 2008

Kinder aus Alkoholiker-Familien

 Risiken für co-abhängige Kinder und Jugendliche

·       Sie sind sehr stark gefordert, oft überfordert: Geschwister müssen versorgt, die Mutter / der Vater getröstet werden.

·       Zuhause herrscht ein Klima der „angespannten Ruhe“. Streitereien und Peinlichkeiten werden erlebt.

·       Gefühle von Sicherheit, Zuverlässigkeit und Geborgenheit gehen verloren.

·       Die Sucht des Elternteils besetzt einen derart großen Raum, dass für kaum etwas anderes Platz bleibt.

·       Ängste und Verwirrtheiten vergrößern sich im Laufe der Zeit.

·       Der co-abhängige Elternteil ist durch die Krankheit und die Veränderung des (Ehe-)Partners verunsichert, verwirrt und überfordert. Er / Sie kann die Balance der Familie nicht sichern.

Kinder und Jugendliche entwickeln in diesem System Entwicklungs- und Bindungsstörungen, ihre Identitätsfindung ist erschwert:

·       Sie tun sich schwer mit mitmenschlichen Beziehungen. Tendieren dazu, sich zu isolieren.

·       Sie stehen im Wiederholungszwang und suchen sich Umfelder und / oder Partner, in denen Alkohol konsumiert wird oder es bereits Alkohol-Probleme gibt.

·       Sie erleiden Beeinträchtigungen in Schule, Beruf, Freund- und Partnerschaften.

·       Sie haben ein erhöhtes Suchtrisiko.

Rollen bzw. Überlebensstrategien von Kindern und Jugendlichen

Es gibt typische und oft eingenommene Rollen von Kindern / Jugendlichen und den betroffenen Familienmitgliedern. Die Aufklärung hierüber ist eine Grundbedingung für das „In-Gang-Setzen“ des Heilungs- und Gesundungsprozesses.

1.      Held / Heldin oder „die kleine „Mutter / der kleine Vater“

Tut immer das Richtige, leistungsorientiert, überverantwortlich. Braucht Zustimmung und   Anerkennung von anderen. Kann keinen Spaß empfinden. Kann Fehler und Misserfolg nicht  ertragen …

Kompetent, organisiert, erfolgreich, verantwortungsbewusst, gut in Leistungspositionen, zielbewusst …

 Gefühlsleben: Schmerz- und Schuldgefühle. Fühlt sich unzulänglich. Furcht, dass sie /er  niemals genügen kann.

 Vorteile: Positive Aufmerksamkeit. Versorgt die Familie mit Selbstwert. Ist das Kind, worauf  die Familie stolz ist.

 Entwicklung: Workaholic. Starkes Bedürfnis zu kontrollieren und zu manipulieren. Kann nicht Nein sagen. Tendenz, sich mit (sucht-)abhängigen Partnern zu verbinden.

2.      Sündenbock

Zurückgezogen, verdrossen, macht Ärger auf der ganzen Linie … Mutig, kann unter Belastung arbeiten. Erkennt Realität und geht Risiken ein …

Gefühlsleben: Schmerzgefühl zurückgewiesen und verlassen zu sein. Wut und Aggressivität. Fühlt sich unzulänglich. Selbstwertprobleme.

 Vorteile: Steht im Zentrum der negativen Aufmerksamkeit. Lenkt ab von suchtkrankem Elternteil.

 Entwicklung: Suchtkrankheit, Delinquenz, Teenager-Schwangerschaft, Schwierigkeiten überall.

3.      Verlorenes Kind

Einzelgänger/in, Tagträumer/in, einsam. Belohnt sich auch allein z. B. mit Essen. „Driftet und  schwimmt“ durchs Leben“. Ruhig, scheu, wird übersehen und nicht vermisst …

Unabhängig von der Meinung anderer, kreativ, phantasievoll, erfinderisch, kann sich behaupten …

 Gefühlsleben: Gefühl der Bedeutungslosigkeit. Darf keine Gefühle haben. Einsamkeit. Verlassenheit. Gibt sich von vorneherein geschlagen.

 Vorteile: Entkommt jeglicher Aufmerksamkeit. Hat seine Ruhe: „Wenigstens ein Kind, das keine Schwierigkeiten macht“.

 Entwicklung: Unentschiedenheit, keine Lebensfreude, Beziehungsstörungen: Promiskuität  oder Isolation. Kann nicht Nein sagen. Kann keine Veränderungen eingehen.

4.      Maskottchen

Übermäßig niedlich, still, nett, unreif, ängstlich. Tut alles, um Aufmerksamkeit zu bekommen. Witzig, geistreich, humorvoll, einfühlsam und hilfsbereit …

Gefühlsleben: Selbstwertprobleme. Angst. Gefühl der Einsamkeit und Bedeutungslosigkeit

 Vorteile: Erhält Aufmerksamkeit, weil es andere amüsiert. Schafft mit Komik Erleichterung und  Entspannung.

 Entwicklung: Zwanghafte Clownerien, kann Stress nicht ertragen. Hysterisch. Sucht Held / Heldin als Partner/in.

In diesem bemerkenswerten Interview schildert Alex, 18,seine Lernerfahrungen und Einsichten im Laufe des Kompetenztrainings CHANGE. Der Deutsch-Russe beschreibt sein bisheriges Leben, reflektiert über seine gegenwärtige Situation und schmiedet Pläne für seine Zukunft. Seine Haftzeit nutzte Alex, um seinen Hauptschulabschluss zu machen und sich weiter zu qualifizieren. Während des Trainings lernte er, blockierende und menschenfeindliche Einstellungen zu verändern und sich anderen Kulturen und Religionen zu öffnen. Seine offenen und ehrlichen Worte bewegen.

Interview von Ellen M. Zitzmann mit einem jugendlichen Absolventen des CHANGE Programms an der JVA Laufen-Lebenau am 14.12.2008

(c) Power for Peace e. V. München, 2008

Volksfest

„Einen Tag später ging das Volksfest in der Stadt los. Ich war voll mit Drogen. Mein Freund, Serkan, und ich tranken etliche Maß Bier. Gegen Mitternacht trennten sich unsere Wege. Ich wollte nach Hause, als mir einige Leute entgegenkamen. Unter ihnen war der Typ vom Skater-Shop, dem ich ein paar Tage zuvor einige Schläge verpasst hatte. Ich dachte mir nichts weiter und lief an ihnen vorbei. Plötzlich rief der Typ laut, dass ich ihn geschlagen hätte. Die anderen kamen auf mich zu und verprügelten mich. Ich hatte keine Chance. Mit einer blutenden Nase lag ich am Boden. Ein älterer Mann half mir und fragte mich, ob er den Notdienst rufen solle. Ich lief zurück zum Volksfest und in das Bierzelt, wo die Truppe hingegangen war. Blind schlug ich auf den ersten ein, bis mich der Türsteher rauszog und die Polizei verständigte.

Wutlauf

Die Nacht verbrachte ich in der Arrestzelle der Polizei. Am nächsten Tag war ich mit der Auflage entlassen worden, das Volksfest nicht mehr zu betreten. Als erstes konsumierte ich Heroin. Anschließend organisierte ich ein paar Kollegen, um die Typen von gestern fertigzumachen. Wir gingen alle zusammen auf das Volksfest. Ich nahm mein Springmesser mit. Irgendwann trafen wir unsere Gegner. Wir warteten auf sie vor dem Bierzelt. Ich hatte die ganze Zeit das Bild im Kopf, wie klein der Typ im Skater-Shop war und wie groß er sich fühlte, als sie mich gemeinsam fertig machten. Als die Truppe das Zelt verließ, lief ich hinter dem Typen her. Ich schlug auf ihn ein und stach ihm mit dem Messer in den Hals und in die Achsel. Seine Freunde holten die Polizei und den Notarzt. Ich wurde festgenommen. Der Typ überlebte – zum Glück!

Nun sitze ich seit zwei Jahren meine Strafe von vier Jahren und zwei Monaten ab. Mit meiner Freundin bin ich mittlerweile wieder zusammen. Ich will richtig „clean“ werden und bleiben, denn nur so hat mein Leben einen Sinn.”

 

Aus „Ich gehe meinen Weg – mit Kraft und Mut verändern”, CHANGE Arbeitsbuch 4, PfP, München 2009

Eifersucht und Beziehungsstress

„Christina berichtete mir, dass sie ein Typ belästigte. Den Typen kannte ich, und ich wollte ihn fertigmachen. Ich bin am nächsten Tag mit meinem besten Freund in den Skater-Shop gegangen, wo dieser Typ arbeitete. Ich prügelte auf ihn ein und gab ihm zu verstehen, dass er Christina in Ruhe lassen soll. Damit war er einverstanden. Wir reichten uns die Hand.

Ein paar Tage später stritten Christina und ich wegen einer Porno-DVD, die sie bei mir gefunden hatte. Mir ging es an diesem Tag echt dreckig. Sie verstand meinen Zustand leider nicht und schrie die ganze Zeit herum, bis ich ihr eine Ohrfeige verpasste. Sie fiel auf den Boden. Ich entschuldigte mich. Sie trat mit ihren Füßen gegen mich, was mich sehr wütend machte, sodass ich noch ein paar Mal auf sie einschlug. Sie lief raus. Mir war klar, dass damit unsere Beziehung beendet war. Mein Kopf war kaputt. Es tat mir wirklich sehr leid. Auf meine Anrufe reagierte sie nicht. Ich betäubte mich noch mehr mit Heroin und Alkohol.”

 

Aus „Ich gehe meinen Weg – mit Kraft und Mut verändern”, CHANGE Arbeitsbuch 4, PfP, München 2009