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Jugendliche berichten nach einem CHANGE! Training an der JVA Laufen-Lebenau:

Gruppenzusammenhalt kann gefährlich sein, …

… weil es auch sein kann, dass jemand auf dumme Gedanken kommt und die anderen Gruppenmitglieder nicht als Außenseiter da stehen wollen und dann einfach mitmachen,

… wenn du in der falschen Gruppe bist, dann ist es schlecht, wenn man alles zusammen macht,

… weil man eventuell auch Dummheiten mitmacht, um der Gruppe zu zeigen, dass man immer zur Gruppe hält,

… weil man durch den Gruppendruck keine eigene Meinung mehr hat,

… weil eine Gruppe sich entweder zum Guten oder zum Schlechten entwickeln kann,

… (…).

Diskutiert mit uns! Wir freuen uns auf eure Beiträge.

Deni Schneberger, Patrick Paul, Steven Klühspies, James Risdon, Waldemar Ring, Alen Coloviv

„Gruppen können lose sein, aber auch wie Pech und Schwefel zusammenhalten. Der Zusammenhalt drückt sich in Solidarität (Gefühl der Zusammengehörigkeit) und Loyalität (Gefühl der Verpflichtung) der einzelnen Gruppenmitglieder aus.

Je höher der Gruppenzusammenhalt ist, desto stärker wird der Druck zur Übereinstimmung. Dann ist es schwierig, eine eigenständige Meinung zu äußern. Das kann sich bis zu Gruppenterror steigern.

Gruppen mit besonders hohem Zusammenhalt, die sich zudem noch für eine Elite halten, wie zum Beispiel ein Sportlerteam, unterliegen der Gefahr, dass eine einheitliche Meinung entsteht, ein „groupthink”. Das führt dazu, dass der Einzelne nichts mehr ohne seine Gruppe entscheidet.”

 

Manfred Sader, Psychologie der Gruppe, 1978

Raffi, 18, erzählt offen über seine Verfehlungen und Straftaten als Computer-Hacker und wie er sich vorstellt, seine technischen Fähigkeiten für die Gesellschaft positiv einzubringen. Er reflektiert über sich und sein Bedürfnis sich zurückzuziehen, um in Ruhe über sich selbst und über seine Beziehungen nachzudenken.

Interview von Ellen M. Zitzmann mit einem jugendlichen Absolventen des CHANGE Programms an der JVA Laufen-Lebenau am 14.12.2008

(c) Power for Peace e. V. München, 2008

In dem Interview mit dem 16-jährigen Kosovo-Albaner, Valdrin, werden Themen rund um Multi-Kulturalität und Vielfalt besprochen. Es werden Haltungen, Einstellungen und Verhaltensweisen diskutiert und hinterfragt, die aktuelle Herausforderungen einer multi-kulturellen Gesellschaft aufzeigen und verdeutlichen.

 

Interview von Ellen M. Zitzmann mit einem jugendlichen Absolventen des CHANGE Programms an der JVA Laufen-Lebenau am 14.12.2008

(c) Power for Peace e. V. München, 2008

Zur Situation des Alkoholikers

Er / Sie wird im Krankheitsverlauf zu einem einsamen Menschen. Nach und nach entsteht ein immer größerer Abstand zu den Mitmenschen, weil weder Zeit noch Lust vorhanden sind, sich mit anderen Menschen zu beschäftigen. Der Abhängige weiß häufig, dass er sich hier oder dort daneben be-nommen und „dummes Zeug“ geredet hat. Infolgedessen wird er / sie zukünftigen Konfliktsituationen aus dem Weg gehen. Eine Isolation entsteht in diesem Kreislauf praktisch immer, auch deswegen, da Alkoholiker dazu neigen, ihre Krankheit zu vertuschen.

 Sucht-Krankheit

Jede „Sucht“ benötigt einige Jahre, bis sich erhebliche Verhaltensdefizite zeigen. So leben viele Alkoholiker immer noch in Familien, die meist in „besseren Zeiten“ gegründet worden sind. Die Ehen und Familien bleiben häufig erstaunlich lange (nach außen hin) stabil. Grund hierfür ist, dass der gesunde (Ehe-)Partner die Ehe und Familie sehr lange aufrecht zu erhalten versucht. Er / Sie versucht dem alkoholkranken Partner auf ungeeignete Weise zu helfen, in dem er / sie den Kranken zu schützen und zu decken versucht.

 In diesem Prozess nehmen alle Betroffenen seelischen und körperlichen Schaden.

 SUCHT beinhaltet das Suchen und die Sehnsucht nach einem erfüllten und sinnvollen Leben. Es ist ein Siechtum oder ein „Suizid auf Raten“.

Genetische und soziale Faktoren (Herkunftsfamilie, falsche Lernerfahrungen) spielen eine Rolle. Darüber hinaus das Alter, nicht-bewältigte Krisen (Eltern-Kind-Konflikte, Partnerschaftsprobleme), labile Psyche (sexuelle Ängste, Depressionen, Schwierigkeiten mit Gefühlen umzugehen), Kommunikationsprobleme, Geschlecht (Männer sind gefährdeter als Frauen).

Persönliches Ziel des Süchtigen:

Zustand zufriedener Abstinenz und ein erfülltes, sinnvolles Leben.

 Teil 3 erscheint am 20.5.2009

Eifersucht und Beziehungsstress

„Christina berichtete mir, dass sie ein Typ belästigte. Den Typen kannte ich, und ich wollte ihn fertigmachen. Ich bin am nächsten Tag mit meinem besten Freund in den Skater-Shop gegangen, wo dieser Typ arbeitete. Ich prügelte auf ihn ein und gab ihm zu verstehen, dass er Christina in Ruhe lassen soll. Damit war er einverstanden. Wir reichten uns die Hand.

Ein paar Tage später stritten Christina und ich wegen einer Porno-DVD, die sie bei mir gefunden hatte. Mir ging es an diesem Tag echt dreckig. Sie verstand meinen Zustand leider nicht und schrie die ganze Zeit herum, bis ich ihr eine Ohrfeige verpasste. Sie fiel auf den Boden. Ich entschuldigte mich. Sie trat mit ihren Füßen gegen mich, was mich sehr wütend machte, sodass ich noch ein paar Mal auf sie einschlug. Sie lief raus. Mir war klar, dass damit unsere Beziehung beendet war. Mein Kopf war kaputt. Es tat mir wirklich sehr leid. Auf meine Anrufe reagierte sie nicht. Ich betäubte mich noch mehr mit Heroin und Alkohol.”

 

Aus „Ich gehe meinen Weg – mit Kraft und Mut verändern”, CHANGE Arbeitsbuch 4, PfP, München 2009


„Man kann einen Heroin-Entzug schwer beschreiben, aber ich fühlte mich, als würde ich sterben. Ich schwitzte und fixte gleichzeitig. Der Schweiß war eiskalt. Der Rücken schmerzte grauenvoll. Die Beine waren schwer wie Blei. Ich musste mich ständig übergeben.

Der Teufelskreis fing bei jedem Entzug wieder von vorne an. Dazu kam, dass ich ständig Stoff verkaufen musste, damit ich Stoff kaufen konnte. Christina konnte mich nicht davon abbringen. Sie fing an, meine Abhängigkeit zu tolerieren. Ich war scham-los. Spritzte Heroin direkt vor ihren Augen. Christina litt und ertrug meine Situation. Außerdem war ich viel, viel netter und lieber zu ihr, wenn ich auf Heroin war. Manchmal gab sie mir sogar Geld, damit ich mir Stoff kaufen konnte.

Ich ging wieder auf Entzug, bin nach zwei Tagen wieder abgehauen. Der Teufels-kreis begann erneut. Obwohl ich ein Junkie war, kleidete ich mich immer gut. Viele erkannten nicht, was mit mir los war. Irgendwann bin ich dann in ein Substitutions-programm gegangen. Ich bekam jeden Tag mein Methadon und später mein „Subu Tex.“ Doch ich verkaufte dieses Zeug, um an Heroin zu kommen. Meine Drogen- und Alkoholabhängigkeit machte mich aggressiv. In Discos war ich immer wieder in Schlägereien verwickelt. Ich machte eine Drogenlangzeittherapie. Dort wurde ich wegen weiteren Rückfällen und Schlägereien frühzeitig entlassen. Natürlich war ich sofort wieder auf Heroin.”

 

Aus „Ich gehe meinen Weg – mit Kraft und Mut verändern”, CHANGE Arbeitsbuch 4, PfP, München 2009


„Christina sah bald die Einstiche an meinen Armen. Sie war total geschockt und fertig. Sie flehte mich an, aufzuhören. Ich lief nur noch mit langärmeligen Hemden herum. Meine zerstochenen Arme sollte niemand bemerken. Meine Eltern schöpften Verdacht. Es fehlten ständig Löffel. Ich sah immer kaputter aus. Sie ließen mich in Ruhe. Ich denke, sie wollten es nicht wahrhaben, dass ihr Sohn ein „Junkie“ war.

Die Polizei kam wieder ins Haus. Sie stellten mein Zimmer auf den Kopf. Sie fanden zwar kein Heroin, aber genügend Spritzen. Meinen geschockten Eltern versprach ich, eine Entziehungskur zu machen. Dort wurde ich langsam herunterdosiert. Mein Chef hatte Verständnis. Nach drei Wochen war mein Körper komplett „clean“. Im Kopf war ich immer noch total „geil“ auf Heroin. Am Tag meiner Entlassung setzte ich mir den ersten Schuss. Ich  war sofort wieder auf der Droge.

 Es verschlimmerte sich alles. Ich brauchte immer mehr. Zum erstenmal war ich richtig krass „affig“.”

 

Aus „Ich gehe meinen Weg – mit Kraft und Mut verändern”, CHANGE Arbeitsbuch 4, PfP, München 2009

Seit beginn seiner Gymnasialzeit begannen zunehmende Beziehungsprobleme zwischen seinen Eltern, die auch zu Tätlichkeiten führten. Als Tom schließlich 14 war, zog der Vater endgültig aus der ehelichen Wohnung aus. Etwa zur selben Zeit knüpfte Tom Kontakte zur rechtsradikalen Szene im Schulzentrum. Seine Eltern lehnten dies zwar ab, konnten ihn aber nicht daran hindern, dass er entsprechende Literatur und Musik konsumierte. Einen besonderen Eindruck hinterließ bei ihm ein Fußballspiel, das er in Rostock besuchte. Vor allem vom Auftreten der rechtsradikalen Fußball Fans und das machtlose Vorgehen der Polizei begeisterten ihn. Durch die Verängstigung seiner Eltern diesbezüglich noch verstärkt trat er nun vollends in die „nationale“ Szene ein.

Ab der 8. Klasse begann Tom die Schule abzulehnen, d. h. nicht mehr zu lernen. Seine Noten verschlechterten sich. Im Zeugnis der 8. Klasse wurde ihm neben unzureichender schulischer Leistungen obendrein bescheinigt, dass er sich schwer in die Klassengemeinschaft einfügt, unregelmäßig arbeitet und sein Verhalten ständig zu Beanstandungen führt.

Nachdem er das Klassenziel nicht erreichte, wollte er auf die Hauptschule wechseln, was ihm seine Mutter zunächst versprach, ihn aber dann doch an einem anderen Gymnasium die Klasse wiederholen ließ. Der daraus folgende Trotz trieb ihn noch stärker in die rechte Szene. Trotz eingehender (Erziehungs-)Beratung durch das Jugendamt und durch den Verfassungs-schutz, gelang es der Mutter nicht, Tom von seiner rechtsextremistischen Orientierung abzubringen. Aufgrund seines Verhaltens in der Öffentlichkeit, des Tragens von rechtsradikalen Utensilien und der häufigen Teilnahme an NPD Demonstrationen, kam es nun zu ständigen heftigen Auseinandersetzungen mit dem Vater und Großvater.

Teil 3 erscheint am 3.4.2009