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Cliff, 18, berichtet aus seinem Leben, über seine Konflikte mit seinem Vater, seine zahlreichen Heim- und Pflegeunterbringungen. Er denkt über seine Entgleisungen unter Alkohol- und Drogeneinfluss nach, über Anti-Gewalt-Trainings, aber auch über die Psychiatrie und das Jugendamt. Wie er sich sein zukünftiges Leben vorstellt und seinem Kind ein guter Vater sein will, erfahren Sie in diesem Interview.

 

Interview von Ellen M. Zitzmann mit einem jugendlichen Absolventen des CHANGE Programms an der JVA Laufen-Lebenau am 14.12.2008

(c) Power for Peace e. V. München, 2008


„Mit 15 fälschte ich meinen Schülerausweis. Ich wollte in die Diskos reinkommen. Dort hatte ich dann das erste Mal mit Ecstasy zu tun. Davon war ich einfach begeistert.Jedes Wochenende ging ich in den Club. Dort habe ich „XTC“ geschmissen und saufen gelernt! Alkohol und „XTC“ war unbe.-schreiblich geil. Das „Kiffen“ langweilte mich.

Mein Körper schüttete so viele Glücksgefühle aus. In der Schule war schlecht drauf war. Obwohl ich so gut wie immer unter Drogen stand, schaffte ich zum Glück meinen Hauptschulabschluss. Ich bekam eine Lehrstelle als Elektriker. Meine Arbeitsleistungen wurden zunehmend schlechter. Mein Chef war früher selbst alkoholabhängig. Ich glaube, das war der einzige Grund, warum er mich nicht auf die Straße setzte. Alle wussten, dass ich ein „Junkie“ bin. Ich selbst wollte es nicht wissen. Ich verdrängte meine Situation.

Ich lernte die wunderschöne Christina kennen. Sie wusste zwar, dass ich Drogen nahm, aber sie nahm mich so wie ich war. Christina nahm keine Drogen. Sie machte gerade ihr Abitur. Es ließ alles gut. Außer, dass wir beide sehr eifersüchtig waren.

Wir waren beide besitzergreifend. Diese Haltung führte zu Streitereien.”

 

Aus „Ich gehe meinen Weg – mit Kraft und Mut verändern”, CHANGE Arbeitsbuch 4, PfP, München 2009


„In der 8. Klasse rief der Direktor der Schule wieder bei meinen Eltern an. Er empfahl ihnen, in meinem Zimmer nach Drogen zu suchen. Als ich nach Hause kam, schmiss mir meine Mutter das Zeug entgegen. Erst schrie sie mich total an. Dann war sie einfach nur verzweifelt. Sie erkannte, dass ihr Sohn süchtig war. Ganz ehrlich, das war mir scheissegal. Mich interessierte nur, wie schnell ich an neuen Stoff kommen konnte.

Meine Eltern machten sich natürlich Sorgen. Sie klärten mich über die Gefahren auf. Ihre Belehrungen gingen echt an mir vorbei. Für mich zählten nur, meine Freunde, dass ich der „Coolste“ war, dass Mädchen auf mich stehen und dass ich genug zu „kiffen“ hatte.

Immer öfters erwischte mich die Polizei. Sie fanden „Dope“. Ich kassierte eine Jugendarreststrafe und verbüßte sie an den Wochenenden.”

 

Aus „Ich gehe meinen Weg – mit Kraft und Mut verändern”, CHANGE Arbeitsbuch 4, PfP, München 2009

„Ich wurde in einer Kleinstadt geboren. Ich bin in einer ganz normalen Familie aufgewachsen. Mein Vater arbeitet in einem großen Autohaus. Meine Mutter in einer Bäckerei.

 Mit 11 Jahren fing ich zu rauchen an. „Gekifft“ habe ich mit 13 Jahren mit einem älteren Cousin. Ich „kiffte“ immer öfters und fing an, mir eigene „Dope-Connections“ aufzubauen.

 In der 5. Klasse bekam ich immer öfters Stress mit den Lehrern. Der Stress zuhause begann, wegen der Mitteilungen und Verweise. Meine Noten waren relativ gut und so hielt sich der Ärger in Grenzen.

 Ich war der „Coolste“ sein und habe mir von niemandem etwas sagen lassen. Der Stress wurde immer größer. Ich „kiffte“ regelmäßig und war auf dem „Gangster-Rap-Trip“.

 Meine Gier nach Anerkennung war groß. Ich verhielt mich scheußlich. Ich verkaufte der Schule Haschisch in der Schule. Damit machte ich zwar kein Geld, aber ich hatte genug zu „kiffen“ und das war mir viel wert.

Ich „kiffte“ vor Schulbeginn und in den Pausen. Mit der Zeit war mir irgendwie alles scheissegal. Die Lehrer merkten, dass ich immer total „prall“ war.”


Aus „Ich gehe meinen Weg – mit Kraft und Mut verändern”, Change Arbeitsbuch 4, PfP, München 2009

LINDA: „Ach Erwin, ich habe nun seit über 25 Jahre einen geheimen Wunsch und ich  hatte bisher nicht den Mut, dir diesen zu offenbaren. Einmal in meinem Leben möchte ich mit dir in ein Striptease-Lokal gehen. Am besten, wir gehen heute an unserem Hochzeitstag.” 
ERWIN: „Aber Schatz, das ist doch nichts für uns, da ziehen sich junge Frauen vor dem Publikum aus. Das möchte ich mir nicht anschauen. Ich habe doch nur Augen für dich.” 
LINDA: „Erwin, du magst Recht haben, aber mein Wunsch ist so groß und ich möchte mich mit eigenen Augen davon überzeugen.” 
ERWIN: „Nein und abermals nein und schon garnicht an unserem Hochzeitstag.”
LINDA: „Ich habe jedenfalls beschlossen, mit dir da hin zu gehen. Einen Tisch im Lokal „Nachtigall” habe ich bereits reserviert. Bitte erfüll mir diesen Wunsch. Nur diesesmal.”

Erwin blieb nichts anderes übrig, als mit seiner Frau ins Lokal Nachtigall zu gehen. Als die beiden das  Lokal betraten, begrüßte ihn die Garderobenfrau freundlich: „Guten Abend, Herr Baumann!”

LINDA (irritiert): „Erwin, kennt man dich hier?”
ERWIN (ganz leise): „Nein. Das ist die Tochter eines Arbeitskollegen, die zufällig hier arbeitet, ich hatte sie bei einem Betriebsfest flüchtig kennengelernt.”

Herr Baumann und seine Frau setzten sich an den reservierten Tisch. „Guten Abend, Herr Baumann!”, begrüßte der Kellner die beiden.

LINDA (schon sehr irritiert): „Erwin, was hat das zu bedeuten?”
ERWIN: „Schatz,  der Kellner hat früher in dem Speiselokal gearbeitet, wo ich immer zu Mittag esse.”

Die Show begann und die Stripperin zog ein Kleidungsstück nach dem anderen aus. Als sie nur noch mit einem knappen Höschen
 bekleidet war, fragte sie neckisch:  „Wer zieht mir den heute das Höschen aus?”

Im Chor riefen die Gäste: „BAUMANN! BAUMANN! BAUMANN! BAUMANN!” 

Frau Baumann schnappte ihre Tasche und rannte wutentbrannt aus dem Lokal. Herr Baumann lief ihr hinterher. Sie stieg in ein Taxi und schrie ihn an:  „Du geiler Bock!”

ERWIN (außer Atem): „Aber Schatz!” 
LINDA (fuchsteufelswild): „Ich will nichts mehr mit dir zu tun haben!” 
ERWIN (beruhigend): „Aber Schatz, reg dich doch nicht so auf. Ich werde das Missverständnis morgen klären und der Lokalinhaber wird sich bei uns entschuldigen. Du wirst sehen.”
LINDA: “Ich glaube dir kein Wort!” 

Herr Baumann hatte große Mühe seine Frau zu beruhigen. Schließlich drehte sich der Taxifahrer ungeduldig und schon sichtbar genervt nach hinten und sagte: „Na, Herr Baumann, ich habe Sie ja schon oft mit einer Nutte hier abgefahren, aber solche Zicken hatte noch keine gemacht.” 

Wie geht die Geschichte weiter? Schreiben Sie uns!

Steffie, 16, mit einem viel zu hübschen Gesicht für ihr böses Outfit mit Handschellen an der Handtasche, lacht: “Na ja, wenn die Jungs anfangen rumzubrüllen, wird’s schon ganz schön laut. Ich kann mir vorstellen, dass da manche Angst bekommen.” “Und okay, ab und zu schmeißen wir auch mal einen Abfalleimer in den Brunnen, aber nur zum Spaß, und dann holen wir ihn ja später auch wieder raus,” sagt Christian, 15, mit einer arglosen Selbstverständlichkeit in der Stimme.

In den PfP-Kursen erzählen uns Jugendliche ihre Geschichten, die, und wenn sie denn wahr sind, nicht mehr nur Lappalien sind. Wir hören ihnen zu, unterbrechen, wenn wir etwas nicht verstanden haben, fragen nach, informieren und erzählen unsere eigene Geschichten, wenn sie zum “Stoff” gerade passen.

Nach dem Motto “Keiner soll der Beste sein, aber jeder gibt sein Bestes” erzählt uns Rene, 14, von seinen unerfreulichen Zusammentreffen mit der Polizei. “Entweder verschwindest du hier, oder ich polier dir die Schnauze, dass dich deine eigene Mutter nicht wieder erkennt.” Und letztens seien angeblich ein paar Beamte mit einer Polizeiabschlussklasse ein paar Jugendlichen auf den Leib gerückt. “Die haben uns dann übelst gefilzt, damit der Nachwuchs mal was lernt.”

… “Übertrieben wird gern”, sagte eine Lehrerin, die den Kurs begleitet. Anja, 16, die ihre Augen dick mit einem schwarzen Kajalstift umrandet hatte, erzählte von ihrem Nachmittag am Stachus. “Die gesamte Clique hatte beschlossen, sich binnen weniger Stunden volllaufen zu lassen.” Stefan, 19, Lackierer, wird zum Kaufhof geschickt. Wie die meisten Jugendlichen, die sich täglich am Stachus treffen, war auch Stefan arbeitslos. Obendrein hatte er gerade Zoff mit seiner Freundin.

Michael, 17, unterbrach Stefan und meinte, dass man nun endlich ihm zuhören sollte und erzählte, dass er eines Nachts von der Disco nach Hause torkelnd, stockbesoffen, von einem anderen Jugendlichen angerempelt und um eine Zigarette gebeten worden sei. “Hau ab”, murmelte Michael daraufhin und dass er keine Zigarette hätte. Doch der andere hörte nicht auf und plötzlich fiel Michael über ihn her und schlug ihn krankenhausreif. “Als die Polizei kam, das war meine Rettung”, meinte Michael, “den erst da ließ ich von ihm los.” 

Im weiteren Kursverlauf kam heraus, weiterlesen »

„Da ich selber in dieser Anstalt einsaß, weiß ich, das man wenn man als Gewalttäter eingesperrt ist, muß man “eigentlich” daran teilnehmen, weil man sonst die gesamte Strafe absitzen muß und keiner will bis zur Endstrafe sitzen(denk ich mal)! Das heißt als Gewaltverbrecher, was ich nicht war/bin, und man seine Chance auf eine frühere Entlassung haben will wie z. B. 3/4 der Gesamtstrafe nur absitzen dann muß man daran teilnehmen sonst macht man “Endstrafe”! Das soll aber nicht heißen das ich Ihre Sache nicht unterstütze aber es läuft doch irgendwas falsch, denn die meisten Leute, die gewalttätig sind, kommen immer wieder in den Knast, vor Gericht, erst vielleicht wieder Bewährung und dann doch wieder rein!!
Diese Leute müssten auch nach dem Knast irgendwie wie z. B. eine Person (Condrobs, Caritas usw.) weiter betreut werden. UND das als muß!! Zwar eigene Wohnung usw. aber einmal in der Woche zum Gespräch denn dann sehen die Leute, wenn diese nicht alleine, andere Möglichkeiten sich in der Freiheit zu bewähren. Es tut gut, wenn man eine Stunde mit einer Vertrauensperson spricht! Dann sieht man die Sache an der man vielleicht gerade zu “knabbern” hatte, wieder anders und macht nicht was unüberlegtes!
Und es ist was ganz was anderes als wenn ich zum Bewährungshelfer/Aufsicht oder zu einer Person die bei einer Einrichtung wie Condrobs ist und sich ausspricht und vielleicht dann auch früher oder später ein gutes Vertrauensverhältnis zu der Person bekommt! Zum Bewährungshelfer/Aufsicht bekommt man NIE IM LEBEN ein gutes Vertrauen! Denen erzählt man nur das was “die” hören wollen und man will dann natürlich auch nur seine Ruhe von der Person!
Ich weiß das, weil ich sehr viele Personen kannte, die besser mit den Leuten von der PSB zurechtkommen anstatt mit den anderen “Aufsehern”!
Mit freundlichen Grüßen
Harry

„Liebe ist ein unbeschreibliches Phänomen, das in kleinen Dosen erfahren werden will. Die Pubertät erlaubt ein mehr oder weniger ungestraftes Probehandeln. Das Jugendalter ist ein Experimentieralter, in dem der Ausgang einer Handlung im Ungewissen bleiben darf. Der Reiz des Experiments gepaart mit Spannung und Abenteuerlust muss für den jungen Menschen gewahrt bleiben.”

Prof. Dr. Max H. Friedrich, Kinder- und Jugendpsychiater, Wien

Fragen:

Erinnern Sie sich an Ihre erste Liebe? Wie haben Sie sich gefühlt?

Beschreiben Sie das Gefühl Ihrer ersten Liebe.

Diskutieren Sie mit uns über Liebe, Partnerschaft, den Satz von Prof. Dr. Friedrich, über ihre Sorgen und Ängste, die sie gerade mit ihren Kindern oder in ihren eigenen Beziehungen haben.