Immer wieder höre ich von Leuten, dass sie es bedauern in manchen Situationen in ihrem Leben nicht auf ihr Bauchgefühl gehört zu haben. Mit Bauchgefühl ist Intuition gemeint, ein unbewusster Denkvorgang, der einem binnen Sekunden mitteilt, welche Verhaltensweisen z. B. auch in gefährlichen Situation angebracht sind.
Ich erinnere mich an eine kritische Situation in meinem Leben, als ich vor einigen Jahren im Gazastreifen plötzlich vor ein paar männlichen Jugendlichen mit ihren Anführern stand. Der Polizist, mit dem ich unterwegs war, ging zu dem Zeitpunkt gerade zum Auto zurück, um etwas zu holen. Plötzlich (Intuition) fiel mir ein Gedicht ein, dass ich kurz zuvor auswendig gelernt hatte und das ich auf Arabisch vortragen konnte. Alle lachten und ich merkte, wie sich die Situation entspannte. Die Gefährlichkeit bestand m. E. nicht darin, dass die Gruppe von Männern von vorneherein auf mich zugekommen ist, um mich zu schädigen, sondern in der Dynamik des Entwicklungsverlaufs. Als der Polizist zurückkam, bemerkte ich, dass er sich sehr langsam der Gruppe und mir annäherte. Er blieb auf Distanz, tänzelte von einem Bein zum anderen, als er anfing, mit den Leuten zu sprechen und ihnen Zigaretten anzubieten. Hinterher meinte er, die Situation sei sehr gefährlich gewesen und im Notfall hätte er wohl alle erschießen müssen. „Mich auch?“, fragte ich verduzt. „Das wäre wohl besser für dich gewesen, als verschleppt zu werden.“ Seine lakonische Antwort nahm ich nicht wirklich Ernst. Dennoch hatte ich die plötzliche Eingebung (Intuition), dass es gut war, dass er nicht von Anfang an in der Situation mit dabei war. Vielleicht hätte ich keine Gelegenheit mehr gehabt, mein Gedicht aufzusagen.
Intuition kann also ein großer Schutz sein.
Die erste Liebe macht (fast) wahnsinng. Man fühlt sich wie kurz vor einer Explosion:
Du schläfst weniger!
Du gibst mehr Geld aus!
Du bist voller Energie!
Du siehst alles durch eine rosarote Brille!
Im ersten Moment wirst du getragen –
im nächsten Moment verlierst du den Boden unter den Füßen!
Die Noten verschlechtern sich.
Manche vernachlässigen ihre Hobbys.
Manche feiern rund um die Uhr …
Ängste und Sorgen von Eltern sind:
- Hoffentlich ist es nicht zu früh.
- Hoffentlich steckt sich mein Kind nicht mit einer schlimmen Geschlechtskrankheit an.
- Hoffentlich wird unsere Tochter nicht zu früh schwanger.
- Hoffentlich zeugt unser Sohn nicht zu früh ein Kind.
- Hoffentlich ist unser Kind nicht homosexuell.
Merk dir!
Verliebtsein kann der Beginn einer großen Liebe und langjährigen Partnerschaft sein. Das Gefühl kann sich aber auch wieder auflösen.
Manche Liebesbeziehungen halten ein Leben lang, andere wiederum einige Jahre, manche dauern ein paar Wochen, andere eine Nacht. Manche Paare sagen, dass Freundschaft mehr zählt als Leidenschaft und Sex. Andere können sich eine Liebesbeziehung ohne Leidenschaft und Sex nicht vorstellen.
Für eine gute Beziehung ist es zunächst einmal wichtig, die richtige Partnerin/den richtigen Partner zu finden. Deshalb ist es auch notwendig – wie Prof. Dr. Friedrich sagt – zu experimentieren, also Erfahrungen mit verschiedenen Partnerinnen und Partnern zu machen.

ICH-Sätze eignen sich gut dazu, schwierige Sachverhalte verantwortungsvoll und tolerant zu formulieren.
ICH-Sätze bestehen aus drei Teilen:
Teil 1: Beschreibung des Verhalten:
Ich bin traurig, …
Teil 2: Beschreibung des Gefühls, dass das Verhalten von anderen auslöst:
wenn du nicht mit mir sprichst,
Teil 3: Wirkung des Verhaltens vom anderen auf dich.
weil ich dann nicht weiß, was los ist.
Unsere Kommunikation, also wie wir miteinander sprechen und uns verhalten, ist nie ganz frei von Angriffssätzen und Gewalt. Es macht keinen Sinn, dies zu leugnen und zu beschönigen.
Wenn sich Ängste und Ärger aufgestaut haben, musst du auf deine Worte ganz besonders achtgeben. Achte auch darauf, wann und wie du deine Sätze gegenüber anderen äußerst.

„Wenn man einen Zustand der inneren Freiheit von den Emotionen erreicht, so heißt das nicht, dass man apathisch oder gefühllos wird oder die Welt deswegen ihre Farbigkeit verliert. Statt ständig zum Spielball negativer Gedanken, Launen und unseres Temperaments zu werden, sind wir dann einfach zu Meistern geworden.”
Matthieu Ricard
„Die Weisheit des Buddhismus Tag für Tag”, Danielle und Olivier Föllmi, Knesebeck

„Verändern macht Mut
Verändern gibt Kraft
und ich hoffe, dass es jeder von euch schafft.
Schließlich willst du im Knast nicht ewig bleiben, also glaub an deine Zukunft und an deine Fähigkeiten.
Wir denken, ihr könnt es alle schaffen,
ohne Gewalt, sondern mit Worten als konstruktive Waffen.
Denn von dem Thema ist jeder betroffen.
Ref.: Verändern tut gut. Verändern gibt Kraft …
Sei taktvoll im Umgang mit deinen Mitmenschen
hilf den anderen, jeder muss ein bißchen mitdenken.
Benutze dein Hirn und denke öfters einmal nach,
für ihn war’s eine Beleidigung und für dich war es Spaß.
Lass dich nicht reizen und nicht provozieren,
dann stehst du am Ende als Gewinner da und der andere wird verlieren.
Zu viel Stress geht einem auch an die Gesundheit,
deshalb hoffen wir, dass ihr gesund bleibt.
Doch lass es nicht soweit kommen. Verändere dein Verhalten und du wirst den Dank der anderen erhalten.
Zeige Respekt und löse deine Konflikt sobald wie möglich,
denn Streit und Ärger sind einfach unnötig.
Ref.: Verändern tut gut, Verändern gibt Kraft …
Lächle über das Leben, dann lächelt es zurück. Du musst dich nur verändern und das geht Schritt für Schritt.”
Text: Armend Ahmetaj, Valdrin Krasniqi
Interpreten: Jugendliche Teilnehmer am CHANGE Programm an der JVA Laufen-Lebenau (Bayern), 14.12.2008
Produktion: Tezcan Yasamak, München
(c) Power for Peace e. V. München, 2008
Podcast: Download (duration: 2:06 — 1.9MB)
Der aus der Ukraine stammende Denys berichtet über seine Lernerfahrungen und Einsichten im Verlauf des Kompetenztrainings CHANGE an der JVA Laufen-Lebenau. Der 17-Jährige denkt u. a. über seine (Lebens-)Ziele und Eigenschaften nach und auch darüber wie er seine Lieblingseigenschaft der Risikobereitschaft für sich und andere positiv anwenden kann.
Interview von Ellen M. Zitzmann mit einem jugendlichen Absolventen des CHANGE Programms an der JVA Laufen-Lebenau am 14.12.2008
Jugendlicher Absolvent: Denys
(c) Power for Peace e. V. München, 2008
Podcast: Download (duration: 10:17 — 9.4MB)
Kinder aus Alkoholiker-Familien
Risiken für co-abhängige Kinder und Jugendliche
· Sie sind sehr stark gefordert, oft überfordert: Geschwister müssen versorgt, die Mutter / der Vater getröstet werden.
· Zuhause herrscht ein Klima der „angespannten Ruhe“. Streitereien und Peinlichkeiten werden erlebt.
· Gefühle von Sicherheit, Zuverlässigkeit und Geborgenheit gehen verloren.
· Die Sucht des Elternteils besetzt einen derart großen Raum, dass für kaum etwas anderes Platz bleibt.
· Ängste und Verwirrtheiten vergrößern sich im Laufe der Zeit.
· Der co-abhängige Elternteil ist durch die Krankheit und die Veränderung des (Ehe-)Partners verunsichert, verwirrt und überfordert. Er / Sie kann die Balance der Familie nicht sichern.
Kinder und Jugendliche entwickeln in diesem System Entwicklungs- und Bindungsstörungen, ihre Identitätsfindung ist erschwert:
· Sie tun sich schwer mit mitmenschlichen Beziehungen. Tendieren dazu, sich zu isolieren.
· Sie stehen im Wiederholungszwang und suchen sich Umfelder und / oder Partner, in denen Alkohol konsumiert wird oder es bereits Alkohol-Probleme gibt.
· Sie erleiden Beeinträchtigungen in Schule, Beruf, Freund- und Partnerschaften.
· Sie haben ein erhöhtes Suchtrisiko.
Rollen bzw. Überlebensstrategien von Kindern und Jugendlichen
Es gibt typische und oft eingenommene Rollen von Kindern / Jugendlichen und den betroffenen Familienmitgliedern. Die Aufklärung hierüber ist eine Grundbedingung für das „In-Gang-Setzen“ des Heilungs- und Gesundungsprozesses.
1. Held / Heldin oder „die kleine „Mutter / der kleine Vater“
Tut immer das Richtige, leistungsorientiert, überverantwortlich. Braucht Zustimmung und Anerkennung von anderen. Kann keinen Spaß empfinden. Kann Fehler und Misserfolg nicht ertragen …
Kompetent, organisiert, erfolgreich, verantwortungsbewusst, gut in Leistungspositionen, zielbewusst …
Gefühlsleben: Schmerz- und Schuldgefühle. Fühlt sich unzulänglich. Furcht, dass sie /er niemals genügen kann.
Vorteile: Positive Aufmerksamkeit. Versorgt die Familie mit Selbstwert. Ist das Kind, worauf die Familie stolz ist.
Entwicklung: Workaholic. Starkes Bedürfnis zu kontrollieren und zu manipulieren. Kann nicht Nein sagen. Tendenz, sich mit (sucht-)abhängigen Partnern zu verbinden.
2. Sündenbock
Zurückgezogen, verdrossen, macht Ärger auf der ganzen Linie … Mutig, kann unter Belastung arbeiten. Erkennt Realität und geht Risiken ein …
Gefühlsleben: Schmerzgefühl zurückgewiesen und verlassen zu sein. Wut und Aggressivität. Fühlt sich unzulänglich. Selbstwertprobleme.
Vorteile: Steht im Zentrum der negativen Aufmerksamkeit. Lenkt ab von suchtkrankem Elternteil.
Entwicklung: Suchtkrankheit, Delinquenz, Teenager-Schwangerschaft, Schwierigkeiten überall.
3. Verlorenes Kind
Einzelgänger/in, Tagträumer/in, einsam. Belohnt sich auch allein z. B. mit Essen. „Driftet und schwimmt“ durchs Leben“. Ruhig, scheu, wird übersehen und nicht vermisst …
Unabhängig von der Meinung anderer, kreativ, phantasievoll, erfinderisch, kann sich behaupten …
Gefühlsleben: Gefühl der Bedeutungslosigkeit. Darf keine Gefühle haben. Einsamkeit. Verlassenheit. Gibt sich von vorneherein geschlagen.
Vorteile: Entkommt jeglicher Aufmerksamkeit. Hat seine Ruhe: „Wenigstens ein Kind, das keine Schwierigkeiten macht“.
Entwicklung: Unentschiedenheit, keine Lebensfreude, Beziehungsstörungen: Promiskuität oder Isolation. Kann nicht Nein sagen. Kann keine Veränderungen eingehen.
4. Maskottchen
Übermäßig niedlich, still, nett, unreif, ängstlich. Tut alles, um Aufmerksamkeit zu bekommen. Witzig, geistreich, humorvoll, einfühlsam und hilfsbereit …
Gefühlsleben: Selbstwertprobleme. Angst. Gefühl der Einsamkeit und Bedeutungslosigkeit
Vorteile: Erhält Aufmerksamkeit, weil es andere amüsiert. Schafft mit Komik Erleichterung und Entspannung.
Entwicklung: Zwanghafte Clownerien, kann Stress nicht ertragen. Hysterisch. Sucht Held / Heldin als Partner/in.
In diesem bemerkenswerten Interview schildert Alex, 18,seine Lernerfahrungen und Einsichten im Laufe des Kompetenztrainings CHANGE. Der Deutsch-Russe beschreibt sein bisheriges Leben, reflektiert über seine gegenwärtige Situation und schmiedet Pläne für seine Zukunft. Seine Haftzeit nutzte Alex, um seinen Hauptschulabschluss zu machen und sich weiter zu qualifizieren. Während des Trainings lernte er, blockierende und menschenfeindliche Einstellungen zu verändern und sich anderen Kulturen und Religionen zu öffnen. Seine offenen und ehrlichen Worte bewegen.
Interview von Ellen M. Zitzmann mit einem jugendlichen Absolventen des CHANGE Programms an der JVA Laufen-Lebenau am 14.12.2008
(c) Power for Peace e. V. München, 2008
Podcast: Download (duration: 10:04 — 9.2MB)
In dem Interview mit dem 16-jährigen Kosovo-Albaner, Valdrin, werden Themen rund um Multi-Kulturalität und Vielfalt besprochen. Es werden Haltungen, Einstellungen und Verhaltensweisen diskutiert und hinterfragt, die aktuelle Herausforderungen einer multi-kulturellen Gesellschaft aufzeigen und verdeutlichen.
Interview von Ellen M. Zitzmann mit einem jugendlichen Absolventen des CHANGE Programms an der JVA Laufen-Lebenau am 14.12.2008
(c) Power for Peace e. V. München, 2008
Podcast: Download (duration: 13:36 — 12.4MB)
Alex H., 18, berichtet über seine Haftzeit und wie er diese nutzt, um sich auf das Leben draußen und ein Leben ohne Gewalt vorzubereiten. Er erzählt von Beziehungen, der Vergangenheit, von (Lebens-)Zielen, Wünschen und Hoffnungen. Er denkt über das intensive Trainingsprogramm CHANGE nach, seinen Höhen und Tiefen. Alex hat durchgehalten. Prima!
Interview von Ellen M. Zitzmann mit einem jugendlichen Absolventen des CHANGE Kompetenzprogramms an der JVA Laufen-Lebenau am 14.12.2008
(c) Power for Peace e. V. München, 2008
Podcast: Download (duration: 9:22 — 8.6MB)



