Willkommen auf » Kriminalprävention

Immer wieder höre ich von Leuten, dass sie es bedauern in manchen Situationen in ihrem Leben nicht auf ihr Bauchgefühl gehört zu haben. Mit Bauchgefühl ist Intuition gemeint, ein unbewusster Denkvorgang, der einem binnen Sekunden mitteilt, welche Verhaltensweisen z. B. auch in gefährlichen Situation angebracht sind.

Ich erinnere mich an eine kritische Situation in meinem Leben, als ich vor einigen Jahren im Gazastreifen plötzlich vor ein paar männlichen Jugendlichen mit ihren Anführern stand. Der Polizist, mit dem ich unterwegs war, ging zu dem Zeitpunkt gerade zum Auto zurück, um etwas zu holen. Plötzlich (Intuition) fiel mir ein Gedicht ein, dass ich kurz zuvor auswendig gelernt hatte und das ich auf Arabisch vortragen konnte. Alle lachten und ich merkte, wie sich die Situation entspannte. Die Gefährlichkeit bestand m. E. nicht darin, dass die Gruppe von Männern von vorneherein auf mich zugekommen ist, um mich zu schädigen, sondern in der Dynamik des Entwicklungsverlaufs. Als der Polizist zurückkam, bemerkte ich, dass er sich sehr langsam der Gruppe und mir annäherte. Er blieb auf Distanz, tänzelte von einem Bein zum anderen, als er anfing, mit den Leuten zu sprechen und ihnen Zigaretten anzubieten. Hinterher meinte er, die Situation sei sehr gefährlich gewesen und im Notfall hätte er wohl alle erschießen müssen. „Mich auch?“, fragte ich verduzt. „Das wäre wohl besser für dich gewesen, als verschleppt zu werden.“ Seine lakonische Antwort nahm ich nicht wirklich Ernst. Dennoch hatte ich die plötzliche Eingebung (Intuition), dass es gut war, dass er nicht von Anfang an in der Situation mit dabei war. Vielleicht hätte ich keine Gelegenheit mehr gehabt, mein Gedicht aufzusagen.

Intuition kann also ein großer Schutz sein.

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ICH-Sätze eignen sich gut dazu, schwierige Sachverhalte verantwortungsvoll und tolerant zu formulieren.

ICH-Sätze bestehen aus drei Teilen:

Teil 1: Beschreibung des Verhalten:
Ich bin traurig, …

Teil 2: Beschreibung des Gefühls, dass das Verhalten von anderen auslöst:
wenn du nicht mit mir sprichst,

Teil 3: Wirkung des Verhaltens vom anderen auf dich.
weil ich dann nicht weiß, was los ist.

 

Unsere Kommunikation, also wie wir miteinander sprechen und uns verhalten, ist nie ganz frei von Angriffssätzen und Gewalt. Es macht keinen Sinn, dies zu leugnen und zu beschönigen.

Wenn sich Ängste und Ärger aufgestaut haben, musst du auf deine Worte ganz besonders achtgeben. Achte auch darauf, wann und wie du deine Sätze gegenüber anderen äußerst.

CHANGE Logo

„Verändern macht Mut

Verändern gibt Kraft

und ich hoffe, dass es jeder von euch schafft.

Schließlich willst du im Knast nicht ewig bleiben, also glaub an deine Zukunft und an deine Fähigkeiten.

Wir denken, ihr könnt es alle schaffen,

ohne Gewalt, sondern mit Worten als konstruktive Waffen.

Denn von dem Thema ist jeder betroffen.

Ref.: Verändern tut gut. Verändern gibt Kraft …

Sei taktvoll im Umgang mit deinen Mitmenschen

hilf den anderen, jeder muss ein bißchen mitdenken.

Benutze dein Hirn und denke öfters einmal nach,

für ihn war’s eine Beleidigung und für dich war es Spaß.

Lass dich nicht reizen und nicht provozieren,

dann stehst du am Ende als Gewinner da und der andere wird verlieren.

Zu viel Stress geht einem auch an die Gesundheit,

deshalb hoffen wir, dass ihr gesund bleibt.

Doch lass es nicht soweit kommen. Verändere dein Verhalten und du wirst den Dank der anderen erhalten.

Zeige Respekt und löse deine Konflikt sobald wie möglich,

denn Streit und Ärger sind einfach unnötig.

Ref.: Verändern tut gut, Verändern gibt Kraft …

Lächle über das Leben, dann lächelt es zurück. Du musst dich nur verändern und das geht Schritt für Schritt.”

Text: Armend Ahmetaj, Valdrin Krasniqi

Interpreten: Jugendliche Teilnehmer am CHANGE Programm an der JVA Laufen-Lebenau (Bayern), 14.12.2008

Produktion: Tezcan Yasamak, München

(c) Power for Peace e. V. München, 2008

Der aus der Ukraine stammende Denys berichtet über seine Lernerfahrungen und Einsichten im Verlauf des Kompetenztrainings CHANGE an der JVA Laufen-Lebenau. Der 17-Jährige denkt u. a. über seine (Lebens-)Ziele und Eigenschaften nach und auch darüber wie er seine Lieblingseigenschaft der Risikobereitschaft für sich und andere positiv anwenden kann.

Interview von Ellen M. Zitzmann mit einem jugendlichen Absolventen des CHANGE Programms an der JVA Laufen-Lebenau am 14.12.2008

Jugendlicher Absolvent: Denys
(c) Power for Peace e. V. München, 2008

In diesem bemerkenswerten Interview schildert Alex, 18,seine Lernerfahrungen und Einsichten im Laufe des Kompetenztrainings CHANGE. Der Deutsch-Russe beschreibt sein bisheriges Leben, reflektiert über seine gegenwärtige Situation und schmiedet Pläne für seine Zukunft. Seine Haftzeit nutzte Alex, um seinen Hauptschulabschluss zu machen und sich weiter zu qualifizieren. Während des Trainings lernte er, blockierende und menschenfeindliche Einstellungen zu verändern und sich anderen Kulturen und Religionen zu öffnen. Seine offenen und ehrlichen Worte bewegen.

Interview von Ellen M. Zitzmann mit einem jugendlichen Absolventen des CHANGE Programms an der JVA Laufen-Lebenau am 14.12.2008

(c) Power for Peace e. V. München, 2008

Alex H., 18, berichtet über seine Haftzeit und wie er diese nutzt, um sich auf das Leben draußen und ein Leben ohne Gewalt vorzubereiten. Er erzählt von Beziehungen, der Vergangenheit, von (Lebens-)Zielen, Wünschen und Hoffnungen. Er denkt über das intensive Trainingsprogramm CHANGE nach, seinen Höhen und Tiefen. Alex hat durchgehalten. Prima!

 

Interview von Ellen M. Zitzmann mit einem jugendlichen Absolventen des CHANGE Kompetenzprogramms an der JVA Laufen-Lebenau am 14.12.2008

(c) Power for Peace e. V. München, 2008

In der Reportage berichtet Christian Engert, Leitender Regierungsdirektor, Katharina Mausfeld, ehem. Anstaltspsychologin und Ellen M. Zitzmann, Gründerin und Vereinsvorsitzende, über die praktischen (Aus-)Wirkungen und Ansatzpunkte der Anti-Gewalt-Trainings an der JVA Bernau am Chiemsee in Zusammenarbeit mit dem Verein Power for Peace. Darüber hinaus hören Sie live verschiedene Kommentare von den Gefängnisinsassen selbst. 

Produktion: Bayerischer Rundfunk, 2005
(c) Power for Peace e. V. München, 2005

 

Die Zeitungen sind täglich voll mit Nachrichten über Gewalt. Gewalt begegnet uns auf Schritt und Tritt: in der Schule, auf der Straße, in der Freizeit, bei der Arbeit, in der S-Bahn, auch im eigenen Heim. 

Gewalt richtet sich gegen Menschen und Sachen. Viele beklagen, dass die Gewalt ständig anwächst und Gewalttätigkeiten immer brutaler werden.

 Auf den ersten Blick …

… reicht die körperliche Gewalt von brennenden Wangen nach Ohrfeigen über gebrochene Knochen bis zu lebensgefährlichen Verletzungen. Dabei handelt es sich um eine Tat, die zu körperlichen Schädigungen bei anderen führt.

Auf den zweiten Blick …

… ergeben sich Fragen: Ist jede Ohrfeige Ausdruck von körperlicher Gewalt? Kann von Gewalt gesprochen werden, wenn zum Beispiel ein betrunkener Mann daran gehindert wird, Auto zu fahren und der Helfer oder die Helferin von ihm eine Ohrfeige kassiert?

Denke über die beiden Stellungnahmen nach. Schreibe uns deinen Kommentar.

 
  Meine Meinung über Gewalt ...

 

 

Welche Erfahrungen mit körperlicher Gewalt hast du schon gemacht?


Artikel vom 11.und 12.3.09 / Teil 3

Was macht einen Menschen zum Gewalttäter, gar zum Massenmörder?

Diese Frage geht derzeit rund um den Globus. Experten benennen zwar bestimmte Risikofaktoren, die einem Amoklauf vorausgehen, geben jedoch gleichzeitig an, dass ein Amoklauf nicht vorauszusagen sei und sie noch lange keinen Gewalttäter ausmachen.

Es sind Risikofaktoren wie

  • psychische Erkrankungen (zwischen 2-4 Millionen Menschen leiden in Deutschland unter Depressionen, damit verbunden unter Empfindungsverlust und Schwermütigkeit),
  • Schikanen, Demütigungen über einen langen Zeitraum (sprich: Mobbing),
  • Vereinsamung, Isolation, Rückzug, Einzelgängertum und
  • vorausgegangene versteckte, gleichwohl konkrete Hinweise auf eine Selbsttötung.

Warum vereinsamt ein Mensch, warum zieht sich ein Mensch aus seiner realen Welt zurück?

Weil er vielleicht misshandelt, missbraucht worden ist?  Weil er vielleicht emotional vernachlässigt worden ist? … und weil er dadurch vielleicht seine Dialog- und Beziehungsfähigkeit und sein Einfühlungsvermögen verloren hat …

Was macht es darüber hinaus so schwer, eine gewalttätige Tat vorauszukalkulieren?

Nachdem sich ein schrecklicher Vorfall ereignet hat, wird die Handlung rekonstruiert:

  • Was war der Plan?
  • Welche Motivation(en) lagen der Handlung zugrunde?
  • Welche Gründe gab es für die Tat?
  • Welche Reaktionen gingen den Gründen voraus?
  • Welche Probleme hatte der Täter / die Täterin?

Sicherheitsbehörden, Analysten, Experten reagieren. Ein interdisziplinäres Krisenmanagement wird aktiv, zuweilen hyper-aktiv!

Beim Vorauskalkulieren einer möglichen Tat, gibt es hingegen keinen Vorfall, kein kritisches Ereignis. Es gibt Vermutungen, Anhaltspunkte, Risikofaktoren, Verhaltensauffälligkeiten … und es gibt die Möglichkeit, gefährdete Menschen zu erkennen, sich ihnen zuzuwenden, sie zu unterstützen und sie aufzumuntern – vorausgesetzt Frau / Mann besitzt die notwendige Sensibilität, Kraft und eine Menge Zivilcourage, auf diese Menschen zuzugehen, sie nicht auszugrenzen, mit ihnen ins Gespräch (keinen oberflächlichen Smalltalk) zu kommen und zu ihnen Beziehung aufzubauen.

Ich setze mich seit Jahren für die Prävention ein und seit Jahren setze ich mich mit gefährdeten Jugendlichen, vor allem mit Jungen und jungen Männern auseinander, erfahre etwas aus ihrem Leben, ihren Verletzungen, ihren Träumen, ihren Ängsten, ihren Talenten, ihren Fähigkeiten.

Sie öffnen sich mir, weil ich mich ihnen öffne!

Sie sprechen mit mir, weil ich mit ihnen spreche!

Sie hören mir zu, weil ich ihnen zuhöre und mir alles anhöre, auch das, was mitunter schwer zu ertragen ist!

Nur so, lassen sich emotionale Probleme aufarbeiten, die eine mögliche extreme Handlung verursachen können.

Prävention ist ein mühevoller Weg, doch Prävention ist ein menschlicher Weg und er ist, für mich, der einzig richtige Weg!

Ellen M. Zitzmann, Vorsitzende, Power for Peace e.V. München


Artikel vom 11.3.2009, Teil 2

Das Wort „AMOK” kommt von malaischmeng-àmok und bedeutet, in blinder Wut angreifen und töten. Es ist ein Zustand heftiger, rasender und wütender Gemütserregung mit Panik und aggressiver Angriffs- und Mordlust.

Amok laufen heißt, in einem Zustand krankhafter Verwirrung mordend umherlaufen. Es gibt Amokfahrer, Amokläufer und Amokschützen.

Ist es aufgestaute Wut, brutale Machtausübung, menschenverachtendes Videomaterial oder sind es psychische Störungen und Erkrankungen wie Schizophrenie, krankhafter Narzissmus? Die Gründe sind komplex und es sind immer individuelle Lebensgeschichten, die es aufzuarbeiten und zu ergründen gilt.

Aufgestaute Wut:

Wenn wir Enttäuschungen, Ängste, Eifersucht, Neid nicht rechtzeitig verarbeiten, sondern sie in uns aufstauen, zuweilen über Jahre hinweg, erhöht sich der innere Druck solange, bis wir dem Stress nicht mehr gewachsen sind. In diesem Zustand wird das Reptiliengehirn mit seinen niedrigen, tierischen Instinkten aktiv. Der körperliche Zustand verändert sich: Blut fließt in die großen Muskelgruppen zur Vorbereitung auf den Überlebensmechanismus „Flucht, Kampf, Schockstarre”. In dieser Extremsituation steigt der Adrenalinspiegel, der Herzschlag erhöht sich, der Blutdruck steigt. Wir atmen schneller und unsere Muskeln sind zu außerordentlichen Leistungen bereit. Der ganze ganze Körper ist auf Aktion ausgerichtet und verabreicht uns hohe Dosen von Stresshormonen. In diesem Tunnel gefangen, kommt es zu blinden, kopflosen, oft gefährlichen Handlungen.

 

Ellen M. Zitzmann, Vorsitzende, Power for Peace München