Verarmungstendenzen in unserer Gesellschaft nehmen aufgrund der größten Finanz- und Wirtschaftskrise seit 80 Jahren zu. Die Auswirkungen auf die Realwirtschaft und den Arbeitsmarkt sind bedenklich und sie bedrohen den sozialen Zusammenhalt in der Gesellschaft.
Wie sehen Sie/Wie siehst du das bzw. welche Gegenmaßnahmen unternehmen Sie/unternimmst du?
Würde gerne eine Diskussion dazu initiieren.
Gruß, Ellen M. Zitzmann
Immer wieder höre ich von Leuten, dass sie es bedauern in manchen Situationen in ihrem Leben nicht auf ihr Bauchgefühl gehört zu haben. Mit Bauchgefühl ist Intuition gemeint, ein unbewusster Denkvorgang, der einem binnen Sekunden mitteilt, welche Verhaltensweisen z. B. auch in gefährlichen Situation angebracht sind.
Ich erinnere mich an eine kritische Situation in meinem Leben, als ich vor einigen Jahren im Gazastreifen plötzlich vor ein paar männlichen Jugendlichen mit ihren Anführern stand. Der Polizist, mit dem ich unterwegs war, ging zu dem Zeitpunkt gerade zum Auto zurück, um etwas zu holen. Plötzlich (Intuition) fiel mir ein Gedicht ein, dass ich kurz zuvor auswendig gelernt hatte und das ich auf Arabisch vortragen konnte. Alle lachten und ich merkte, wie sich die Situation entspannte. Die Gefährlichkeit bestand m. E. nicht darin, dass die Gruppe von Männern von vorneherein auf mich zugekommen ist, um mich zu schädigen, sondern in der Dynamik des Entwicklungsverlaufs. Als der Polizist zurückkam, bemerkte ich, dass er sich sehr langsam der Gruppe und mir annäherte. Er blieb auf Distanz, tänzelte von einem Bein zum anderen, als er anfing, mit den Leuten zu sprechen und ihnen Zigaretten anzubieten. Hinterher meinte er, die Situation sei sehr gefährlich gewesen und im Notfall hätte er wohl alle erschießen müssen. „Mich auch?“, fragte ich verduzt. „Das wäre wohl besser für dich gewesen, als verschleppt zu werden.“ Seine lakonische Antwort nahm ich nicht wirklich Ernst. Dennoch hatte ich die plötzliche Eingebung (Intuition), dass es gut war, dass er nicht von Anfang an in der Situation mit dabei war. Vielleicht hätte ich keine Gelegenheit mehr gehabt, mein Gedicht aufzusagen.
Intuition kann also ein großer Schutz sein.
Fragmented personality,
socially defined inferior … a misfit,
financially crippled and embarrassed,
facial appearance unappealing – still need love though.
Sub-culturally conditioned to hate,
sufferer of identity crisis,
emotionally explosive,
psychologically defensive – oh God, I still need love though.
At war with man, the devil and life,
rebellious, contentious, restless.
Jack of all trades, master of excuses.
Fighter. Struggler. Fighter. Fighter.
Yes, I still need love though.
Physically and powerfully dynamic,
artistically unsurpassed in nature,
filled with untamed brute passion.
The apple and breaker of god’s eye.
Still need love though. Still need love.
By Eric V. Reid
sagt ein afrikanisches Sprichwort.
Während des 100-stündigen Trainings CHANGE!, das von März bis Juni 2009, an der JVA Laufen-Lebenau stattgefunden hat, hat jeder einzelne jugendliche Teilnehmer die Einsicht gewonnen, dass, wenn sich negative Verhaltensweisen nicht verändern, sich das Leben auch nicht verbessert.
In den vielen Stunden haben wir alle erfahren, dass Sucht, egal welche, und Gewalt Sackgassen in unserem Leben sind, aus denen wir nur herauskommen, wenn wir die Kraft und den Mut aufbringen, innezuhalten, nachzudenken und einen anderen Weg einzuschlagen. Klar, dass das keine einfache Aufgabe ist und wir werden sicher auch Rückschläge einstecken müssen, aber wir wissen auch, dass auch der längste Weg mit kleinen Schritten anfängt und mit jedem Erfolg, den wir uns erarbeiten, wächst unser Selbstvertrauen, weiterzugehen und einen neuen Anfang zu wagen.
In den 4 Change!-Trainings und den Arbeitsgruppen haben wir nicht nur eine Menge gelernt, sondern sind auch zu einer tollen Gruppe und Gemeinschaft zusammengewachsen.
Die Gruppe ging im letzten gemeinsamen Kurs am 21. Juni in einer Abschiedsstimmung aus Wehmut, aber auch mit Zuversicht und festem Willen, in ein neues Leben aufzubrechen, auseinander.
Clemens Abert, Berufsschullehrer und leitender Trainer
Ich saß im Frühstücksraum eines Hotels in Österreich, als ich über N-TV vom Tod von Michael Jackson erfahren habe. Die lapidare Schlagzeile „Michael Jackson ist tot” eroberte sofort meine volle Aufmerksamkeit. Von den Nachrichtenbildern und -kommentaren konnte ich mich nur schwer lösen. Den ganzen Tag und die halbe Nacht hindurch beschäftigte ich mich mit Michael Jackson: seinem Leben, seinem Erfolg, seinem Scheitern, seinem Lebenswerk, aber auch damit, warum er jetzt gerade, kurz vor der geplanten Mega-Tournee, gestorben ist. Am späten Abend saß ich wie hypnotisiert vor dem Fernsehapparat und vor seinem legendären Konzert in Bukarest, das 1992 in die Geschichte der Pop Musik einging. Zum Schluss düste Jacko über eine ihm zu jubelnde und kreischende Menschenmasse hinweg. Was für ein Abgang! Was für ein Bild an seinem Todestag!
Was ist das, was mich mit einem Mann verbindet, mit dem ich weder verwandt noch bekannt war? Ist es seine Musik, sein Körperausdruck, seine Genialität, sein Erfolg, sein Scheitern? Ist es seine Sensibilität, seine Verwundbarkeit, seine kindliche Wahrnehmung von der Welt, eben all das, was hinter seiner Maske zu erkennen war und was er zuweilen sehr mutig und öffentlich von sich preisgab? Oder sind es seine wirkungsvollen Zeichen gegen Rassismus und für Völkerverständigung und Frieden, die Michael Jackson lange vor Tiger Woods und Barack Obama weltweit und kulturenübergreifend setzte?
Auf der Suche nach der verlorenen Kindheit und auf der Suche nach (Vater-)Liebe, wie ich vermute, schaffte er sich ein künstliches Fundament auf einer Weltbühne, die ihm offensichtlich weder Stabilität noch inneren Frieden gab. Die Angst, die Verzweiflung und die Vereinsamung müssen in Jacko’s Innerem übermächtig geworden sein. Dazu der Druck vor seiner Come-Back-Tournee – nein, in seiner Haut hätte ich nicht stecken wollen.
Ist sein Tod im Wissen und im Nachhinein betrachtet, dass alle Beziehungs- und Liebesangelegenheiten, die nicht erfüllend verlaufen, das Herz nachhaltigend schädigen, also nur die natürliche Konsequenz jahrelanger persönlicher Frustrationen? Die Antwort darauf werden wir wohl nie erfahren.
Ein Leben lang war Michael Jackson für zwei Generationen da. Wer aber war für ihn da und wo waren seine wirklichen Freunde?Michael Jackson wollte auf seiner Tournee seine größten Hits präsentieren. Keiner vermag jetzt zu beurteilen, ob er dazu überhaupt noch psychisch und physisch in der Lage gewesen wäre. Was uns bleibt ist die Erinnerung an einen großen, legendären Ausnahmekünstler, der in uns weiterlebt. What a remarkable comeback and thank you, Michael!
Ich wünsche Michael Jackson, dass er jetzt an dem Ort angekommen ist, wonach er sein Leben lang gesucht hat. Und ich appelliere an alle Väter auf dieser Welt: lasst eure Söhne nicht im Stich, schenkt ihnen Liebe, Raum und Zeit, damit sie sich entwickeln und zu sich selbst finden können. Nur auf diesem Fundament finden Menschen ihren eigenen und erfüllenden Lebensfluss.
Flieg wohl, Jacko.
Ellen M. Zitzmann

ICH-Sätze eignen sich gut dazu, schwierige Sachverhalte verantwortungsvoll und tolerant zu formulieren.
ICH-Sätze bestehen aus drei Teilen:
Teil 1: Beschreibung des Verhalten:
Ich bin traurig, …
Teil 2: Beschreibung des Gefühls, dass das Verhalten von anderen auslöst:
wenn du nicht mit mir sprichst,
Teil 3: Wirkung des Verhaltens vom anderen auf dich.
weil ich dann nicht weiß, was los ist.
Unsere Kommunikation, also wie wir miteinander sprechen und uns verhalten, ist nie ganz frei von Angriffssätzen und Gewalt. Es macht keinen Sinn, dies zu leugnen und zu beschönigen.
Wenn sich Ängste und Ärger aufgestaut haben, musst du auf deine Worte ganz besonders achtgeben. Achte auch darauf, wann und wie du deine Sätze gegenüber anderen äußerst.

„Verändern macht Mut
Verändern gibt Kraft
und ich hoffe, dass es jeder von euch schafft.
Schließlich willst du im Knast nicht ewig bleiben, also glaub an deine Zukunft und an deine Fähigkeiten.
Wir denken, ihr könnt es alle schaffen,
ohne Gewalt, sondern mit Worten als konstruktive Waffen.
Denn von dem Thema ist jeder betroffen.
Ref.: Verändern tut gut. Verändern gibt Kraft …
Sei taktvoll im Umgang mit deinen Mitmenschen
hilf den anderen, jeder muss ein bißchen mitdenken.
Benutze dein Hirn und denke öfters einmal nach,
für ihn war’s eine Beleidigung und für dich war es Spaß.
Lass dich nicht reizen und nicht provozieren,
dann stehst du am Ende als Gewinner da und der andere wird verlieren.
Zu viel Stress geht einem auch an die Gesundheit,
deshalb hoffen wir, dass ihr gesund bleibt.
Doch lass es nicht soweit kommen. Verändere dein Verhalten und du wirst den Dank der anderen erhalten.
Zeige Respekt und löse deine Konflikt sobald wie möglich,
denn Streit und Ärger sind einfach unnötig.
Ref.: Verändern tut gut, Verändern gibt Kraft …
Lächle über das Leben, dann lächelt es zurück. Du musst dich nur verändern und das geht Schritt für Schritt.”
Text: Armend Ahmetaj, Valdrin Krasniqi
Interpreten: Jugendliche Teilnehmer am CHANGE Programm an der JVA Laufen-Lebenau (Bayern), 14.12.2008
Produktion: Tezcan Yasamak, München
(c) Power for Peace e. V. München, 2008
Podcast: Download (duration: 2:06 — 1.9MB)
Sucht kann entstehen, wenn wir in Ersatzmittel flüchten, statt unsere Probleme zu lösen!
Die Treppe zur Sucht:

Aus „Ich gehe meinen Weg – mit Kraft und Mut verändern”, CHANGE Arbeitsbuch 4, PfP, München 2009
Raffi, 18, erzählt offen über seine Verfehlungen und Straftaten als Computer-Hacker und wie er sich vorstellt, seine technischen Fähigkeiten für die Gesellschaft positiv einzubringen. Er reflektiert über sich und sein Bedürfnis sich zurückzuziehen, um in Ruhe über sich selbst und über seine Beziehungen nachzudenken.
Interview von Ellen M. Zitzmann mit einem jugendlichen Absolventen des CHANGE Programms an der JVA Laufen-Lebenau am 14.12.2008
(c) Power for Peace e. V. München, 2008
Podcast: Download (duration: 10:41 — 9.8MB)
Die beschriebenen Risikofaktoren in den vorhergehenden Artikeln heißen nicht, dass Kinder und Jugendliche aus Suchtfamilien und alle anderen Betroffenen das unabwendbare Schicksal erfahren, selbst suchtkrank und / oder verhaltensauffällig zu werden.
Prävention und konkrete Hilfen sind frühzeitig einzusetzen.
1. Aufklärung über Risikofaktoren und Gefährdungen
Ohne Wissen haben präventive Maßnahmen und intervenierende Aktionen keine ausreichende Substanz.
2. Betroffene Kinder und Jugendliche wahrnehmen, d. h. sie über typische Rollenmuster informieren und ihnen die Erlaubnis erteilen, Kritik zu äußern und über Kritisches zu berichten. Offenheit gegenüber allem, was die Kinder und Jugendlichen im Hinblick auf ihre persönliche Geschichte mitbringen.
3. Selbstwert stärken
Du bist jemand und du bist viel wert! Alles stärken was in Richtung „Selber Leben“ geht: „Etwas Positives, das du selbst geschaffen hast, macht dich glücklicher / zufriedener als jeder Rausch! Und wenn du etwas Schlechtes erfolgreich und ohne „chemische Krücke“ ertragen hast, dann kannst du mit Recht auf dich stolz sein!“
4. Unterstützung bei der Lebensbewältigung
Hilfe bei der Aufarbeitung von Entwicklungsdefiziten. Erweiterung der Bewältigungsmöglichkeiten durch vielfältige Angebote. Erweiterung der eigenen Kompetenzen und des Blickwinkels. Heraustreten aus der „Komfortzone“ der Co-Abhängigkeit.
5. Zur Sucht-Vorbeugung gehören
· Erkennen eigener Stärken und Schwächen
· Konstruktiver Umgang mit Konfliktsituationen
· Aufbau einer Kommunikations- und Streitkultur
· ICH-Stabilität
· Freude am Leben / Lebensbalance



