In den letzten Jahren sind Bewegungen entstanden, die das Prinzip der Langsamkeit verfolgen. Diese schaffen Zeitoasen und steigern unsere Leistungsfähigkeit wie zum Beispiel:
SLOW-Food: Essen mit Genuss, mit besten, saisonalen Zutaten und einer liebevollen Zubereitung.
SLOW-Sport: Dosierter Sport, also z. B. langsames, entspanntes Joggen oder Wandern, versorgt den Körper mit Sauerstoff und baut energievernichtende Stresshormone ab.
SLOW-Travel: „Langsames Reisen” bedeutet, dass man mehrere Tage am gleichen Ort verbringt, um entspannt Bekanntschaft mit Land und Leuten zu machen.
SLOW-Gardening: Liebe zum eigenen Garten, zur Natur entwickeln. Dabei die Pflanzen vom Samen bis zur Blüte betreuen und das Gras wachsen zu sehen.
Welche SLOW-Bewegungen unternehmen Sie?

„Wenn man einen Zustand der inneren Freiheit von den Emotionen erreicht, so heißt das nicht, dass man apathisch oder gefühllos wird oder die Welt deswegen ihre Farbigkeit verliert. Statt ständig zum Spielball negativer Gedanken, Launen und unseres Temperaments zu werden, sind wir dann einfach zu Meistern geworden.”
Matthieu Ricard
„Die Weisheit des Buddhismus Tag für Tag”, Danielle und Olivier Föllmi, Knesebeck
Nicht nur die Tat war schwer zu ertragen, auch viele Presseberichte zu Winnenden hatten die Grenze zur Geschmacklosigkeit weit überschritten. Statt der gebotenen Rücksicht auf die Opfer und statt sachlicher Darstellung und Problemanalyse wurde viel zu oft sensationsheischend berichtet. Nun hat sich der Deutsche Presserat damit auseinandergesetzt:
Der Presserat hat sich auf seinen Beschwerdeausschuss-Sitzungen am 19. und 20. Mai mit der Berichterstattung über den Amoklauf von Winnenden auseinandergesetzt und 13 Verstöße gegen den Pressekodex geahndet. In den meisten Fällen wurden die Ziffer 8 (Persönlichkeitsrechte) und die Ziffer 11 (Sensationsberichterstattung) verletzt. Der Presserat sprach zwei öffentliche und eine nicht-öffentliche Rüge aus, fünf Missbilligungen und fünf Hinweise.
Steffie, 16, mit einem viel zu hübschen Gesicht für ihr böses Outfit mit Handschellen an der Handtasche, lacht: “Na ja, wenn die Jungs anfangen rumzubrüllen, wird’s schon ganz schön laut. Ich kann mir vorstellen, dass da manche Angst bekommen.” “Und okay, ab und zu schmeißen wir auch mal einen Abfalleimer in den Brunnen, aber nur zum Spaß, und dann holen wir ihn ja später auch wieder raus,” sagt Christian, 15, mit einer arglosen Selbstverständlichkeit in der Stimme.
In den PfP-Kursen erzählen uns Jugendliche ihre Geschichten, die, und wenn sie denn wahr sind, nicht mehr nur Lappalien sind. Wir hören ihnen zu, unterbrechen, wenn wir etwas nicht verstanden haben, fragen nach, informieren und erzählen unsere eigene Geschichten, wenn sie zum “Stoff” gerade passen.
Nach dem Motto “Keiner soll der Beste sein, aber jeder gibt sein Bestes” erzählt uns Rene, 14, von seinen unerfreulichen Zusammentreffen mit der Polizei. “Entweder verschwindest du hier, oder ich polier dir die Schnauze, dass dich deine eigene Mutter nicht wieder erkennt.” Und letztens seien angeblich ein paar Beamte mit einer Polizeiabschlussklasse ein paar Jugendlichen auf den Leib gerückt. “Die haben uns dann übelst gefilzt, damit der Nachwuchs mal was lernt.”
… “Übertrieben wird gern”, sagte eine Lehrerin, die den Kurs begleitet. Anja, 16, die ihre Augen dick mit einem schwarzen Kajalstift umrandet hatte, erzählte von ihrem Nachmittag am Stachus. “Die gesamte Clique hatte beschlossen, sich binnen weniger Stunden volllaufen zu lassen.” Stefan, 19, Lackierer, wird zum Kaufhof geschickt. Wie die meisten Jugendlichen, die sich täglich am Stachus treffen, war auch Stefan arbeitslos. Obendrein hatte er gerade Zoff mit seiner Freundin.
Michael, 17, unterbrach Stefan und meinte, dass man nun endlich ihm zuhören sollte und erzählte, dass er eines Nachts von der Disco nach Hause torkelnd, stockbesoffen, von einem anderen Jugendlichen angerempelt und um eine Zigarette gebeten worden sei. “Hau ab”, murmelte Michael daraufhin und dass er keine Zigarette hätte. Doch der andere hörte nicht auf und plötzlich fiel Michael über ihn her und schlug ihn krankenhausreif. “Als die Polizei kam, das war meine Rettung”, meinte Michael, “den erst da ließ ich von ihm los.”
Im weiteren Kursverlauf kam heraus, weiterlesen »
zum Teil 1 der Lebensgeschichte von Walter Klingenbeck
zum Teil 2 der Lebensgeschichte von Walter Klingenbeck
zum Teil 1 der Lebensgeschichte von Walter Klingenbeck
Klingenbeck, von Recklinghausen und Haberl, wurden wegen landesverräterischer Feindbegünstigung, Vorbereitung zum Hochverrat und Schwarzsendens als einzige zum Tode verurteilt. Die anderen Komplizen erhielten Gefängnisstrafen. In der Begründung für die Todesurteile hieß es, die Aktivitäten der Angeklagten hätten dazu beigetragen, „die innere Front zu lähmen“. „Wer in der Notzeit des Krieges in dieser verbrecherischen Weise seinem Volk in den Rücken fällt, ist ein Verräter und hat keinen Platz mehr in der deutschen Volksgemeinschaft.“
Elf Monate verbrachten die drei Todeskandidaten im Gefängnis München-Stadelheim. Am 2. August 1943 waren Daniel von Recklinghausen und Hans Haberl zu acht Jahren Zuchthaus begnadigt worden.
Walter Klingenbeck wurde hingegen drei Tage später, am 5. August 1943 um 17 Uhr hingerichtet. Er ging sehr gefaßt in den Tod, mit dem er wohl schon nach seiner Festnahme gerechnet hatte. Davon zeugen auch die Abschiedsbriefe an seine Freunde. An Hans Haberl schrieb er: „Lieber Johnny! Vorhin habe ich von deiner Begnadigung erfahren. Gratuliere. Mein Gesuch ist allerdings abgelehnt. Ergo geht’s dahin. Nimm’s net tragisch. Du bist ja durch. Das ist schon viel wert. Ich habe soeben die Sakramente empfangen und bin jetzt ganz gefaßt. Wenn du etwas für mich tun willst, bete ein paar Vaterunser. Lebe wohl. Walter.“ In einem weiteren, ähnlich gehaltenen Brief an seinen Freund Max Müller schrieb er: „Ich weiß, wofür ich mein Leben lasse.“
Klingenbecks Gefährten blieben bis zum Kriegsende in Haft. Hans Haberl ließ die Radioleidenschaft auch dort nicht los. Es gelang ihm mit eingeschmuggelten Materialien 1944 einen Kleinstempfänger vor der Größe einer Streichholzschachtel zu bauen. Auf diese Weise durchbrach er für sich und seine Mitgefangenen die Isolation von der Außenwelt.
Die Verhandlung gegen Klingenbeck und seine Mitangeklagten der Vizepräsident des Volksgerichtshofs, Karl Engert, geleitet. Er war ein fanatischer Nationalsozialist der ersten Stunde. 1933 begann sein Aufstieg mit der Berufung als Ministerialrat ins bayerische Justizministerium. Zum Volksgerichtshof kam er 1936. 1938 wurde er dessen Vizepräsident. 1942 stieg er zum Ministerialdirektor im Reichsjustizministerium auf. Nach seiner Auffassung mussten Ankläger und Richter am Volksgerichtshof „in erster Linie Politiker und dann erst Richter“ sein. So hatte der Vater von zwei Töchtern gemäß seiner Devise: „Heil dem Führer“, keine Hemmungen, auch Jugendliche in den Tod zu schicken.
(aus „Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus 1998“, Bezirksausschuss Maxvorstadt: Jürgen Zarusky „… nur eine Wachstumskrankheit?“, Jugendwiderstand in Hamburg und München. Dachauer Blätter 1991, S. 210-229.)
Im nächsten Leben würde ich versuchen, mehr Fehler zu machen.
Ich würde nicht mehr so perfekt sein wollen,
ich würde mich mehr entspannen.
Ich wäre ein bisschen verrückter, als ich es gewesen bin,
ich würde viel weniger Dinge so ernst nehmen.
Ich würde nicht so gesund leben.
Ich würde mehr riskieren, würde mehr reisen,
Sonnenuntergänge betrachten, mehr bergsteigen,
mehr in Flüssen schwimmen.
Ich war einer dieser klugen Menschen,
die jede Minute ihres Lebens fruchtbar verbrachten;
freilich hatte ich auch Momente der Freude,
aber wenn ich noch einmal anfangen könnte,
würde ich versuchen, nur noch gute Augenblicke zu haben.
Falls du es noch nicht weißt,
aus diesen besteht nämlich das Leben;
nur aus Augenblicken; vergiss nicht den jetzigen.
Wenn ich noch einmal leben könnte,
würde ich von Frühlingsbeginn an
bis in den Spätherbst hinein barfuß gehen.
Und ich würde mehr mit Kindern spielen,
wenn ich das Leben noch vor mir hätte.
Aber sehen sie … ich bin 85 Jahre alt
und ich weiß, dass ich bald sterben werde.
Jorge Luis Borges, Argentinien 1899-1986
Walter Klingenbeck wurde am 30. März 1924 in München als Sohn eines Straßenbahnschaffners geboren. Walter gehörte in der Pfarrgemeinde Sankt Ludwig der katholischen Jungschar an, in der die 10-14Jährigen organisiert waren. Auf Druck der Reichsjugendführer wurde Klingenbecks Jungschargruppe aufgelöst und dem Jungvolk der Hitlerjugend eingegliedert.
Für Walter war dies ein Schlüsselerlebnis und er ließ sich nicht beirren, weiterhin die im Dritten Reich verbotenen ausländischen Sender anzuhören. Neben Radio Vatikan entdeckte Klingenbeck auch noch die Sendungen des deutschen Dienstes der BBC.
Das Radio war für Walter Klingenbeck nicht nur die Möglichkeit, das Informationsmonopol des NS-Staates zu unterlaufen, ihn faszinierte auch das technische Medium des Rundfunks. Im kleinbürgerlichen, streng katholischen Milieu wuchs Walter Klingenbeck heran. Er begann eine Mechanikerlehre bei der Firma Rohde und Schwarz wo er seine späteren Freunde und Weggefährten, Daniel von Recklinghausen und Hans Haberl, kennenlernte.
Ungefähr seit dem Frühjahr 1941 begann Klingenbeck, Haberl von den abgehörten Sendungen zu erzählen. „Klingenbeck vertrat dabei in Übereinstimmung mit der feindlichen Kriegspropaganda den Standpunkt, dass Deutschland den Krieg verlieren wird, und der Sieg der Feindmächte zu einer Besserung der Verhältnisse im Reich führen werde, da sich der Krieg nicht gegen das deutsche Volk, sondern nur gegen seine Führung richte“, wie es später in der Anklageschrift zu lesen war.
Walter lud schließlich seine Freunde zu sich nach Hause ein, um mit ihnen gemeinsam die verbotenen ausländischen Sender abzuhören. Hans Haberl hatte daraufhin auf eigene Faust begonnen, „Feindsender“ abzuhören.
Der nächste Teil der Lebensgeschichte von Walter Klingenbeck erscheint am 19.02.2009
A powerful video depicting social change through peaceful resistance. Set to the music of Samuel Barber’s Adagio for Strings.



