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ICH-Sätze eignen sich gut dazu, schwierige Sachverhalte verantwortungsvoll und tolerant zu formulieren.

ICH-Sätze bestehen aus drei Teilen:

Teil 1: Beschreibung des Verhalten:
Ich bin traurig, …

Teil 2: Beschreibung des Gefühls, dass das Verhalten von anderen auslöst:
wenn du nicht mit mir sprichst,

Teil 3: Wirkung des Verhaltens vom anderen auf dich.
weil ich dann nicht weiß, was los ist.

 

Unsere Kommunikation, also wie wir miteinander sprechen und uns verhalten, ist nie ganz frei von Angriffssätzen und Gewalt. Es macht keinen Sinn, dies zu leugnen und zu beschönigen.

Wenn sich Ängste und Ärger aufgestaut haben, musst du auf deine Worte ganz besonders achtgeben. Achte auch darauf, wann und wie du deine Sätze gegenüber anderen äußerst.

Mex Power

„Wenn man einen Zustand der inneren Freiheit von den Emotionen erreicht, so heißt das nicht, dass man apathisch oder gefühllos wird oder die Welt deswegen ihre Farbigkeit verliert. Statt ständig zum Spielball negativer Gedanken, Launen und unseres Temperaments zu werden, sind wir dann einfach zu Meistern geworden.”

Matthieu Ricard

„Die Weisheit des Buddhismus Tag für Tag”, Danielle und Olivier Föllmi, Knesebeck

CHANGE Logo

„Verändern macht Mut

Verändern gibt Kraft

und ich hoffe, dass es jeder von euch schafft.

Schließlich willst du im Knast nicht ewig bleiben, also glaub an deine Zukunft und an deine Fähigkeiten.

Wir denken, ihr könnt es alle schaffen,

ohne Gewalt, sondern mit Worten als konstruktive Waffen.

Denn von dem Thema ist jeder betroffen.

Ref.: Verändern tut gut. Verändern gibt Kraft …

Sei taktvoll im Umgang mit deinen Mitmenschen

hilf den anderen, jeder muss ein bißchen mitdenken.

Benutze dein Hirn und denke öfters einmal nach,

für ihn war’s eine Beleidigung und für dich war es Spaß.

Lass dich nicht reizen und nicht provozieren,

dann stehst du am Ende als Gewinner da und der andere wird verlieren.

Zu viel Stress geht einem auch an die Gesundheit,

deshalb hoffen wir, dass ihr gesund bleibt.

Doch lass es nicht soweit kommen. Verändere dein Verhalten und du wirst den Dank der anderen erhalten.

Zeige Respekt und löse deine Konflikt sobald wie möglich,

denn Streit und Ärger sind einfach unnötig.

Ref.: Verändern tut gut, Verändern gibt Kraft …

Lächle über das Leben, dann lächelt es zurück. Du musst dich nur verändern und das geht Schritt für Schritt.”

Text: Armend Ahmetaj, Valdrin Krasniqi

Interpreten: Jugendliche Teilnehmer am CHANGE Programm an der JVA Laufen-Lebenau (Bayern), 14.12.2008

Produktion: Tezcan Yasamak, München

(c) Power for Peace e. V. München, 2008

Sucht kann entstehen, wenn wir in Ersatzmittel flüchten, statt unsere Probleme zu lösen!

Die Treppe zur Sucht:

Die Treppe der Sucht

Aus „Ich gehe meinen Weg – mit Kraft und Mut verändern”, CHANGE Arbeitsbuch 4, PfP, München 2009

Raffi, 18, erzählt offen über seine Verfehlungen und Straftaten als Computer-Hacker und wie er sich vorstellt, seine technischen Fähigkeiten für die Gesellschaft positiv einzubringen. Er reflektiert über sich und sein Bedürfnis sich zurückzuziehen, um in Ruhe über sich selbst und über seine Beziehungen nachzudenken.

Interview von Ellen M. Zitzmann mit einem jugendlichen Absolventen des CHANGE Programms an der JVA Laufen-Lebenau am 14.12.2008

(c) Power for Peace e. V. München, 2008

Die beschriebenen Risikofaktoren in den vorhergehenden Artikeln heißen nicht, dass Kinder und Jugendliche aus Suchtfamilien und alle anderen Betroffenen das unabwendbare Schicksal erfahren, selbst suchtkrank und / oder verhaltensauffällig zu werden.

Prävention und konkrete Hilfen sind frühzeitig einzusetzen.

1.      Aufklärung über Risikofaktoren und Gefährdungen

Ohne Wissen haben präventive Maßnahmen und intervenierende Aktionen keine  ausreichende Substanz.

2.     Betroffene Kinder und Jugendliche wahrnehmen, d. h. sie über typische Rollenmuster informieren und ihnen die Erlaubnis erteilen, Kritik zu äußern und über Kritisches zu berichten. Offenheit gegenüber allem, was die Kinder und Jugendlichen im Hinblick auf ihre persönliche Geschichte mitbringen.

3.     Selbstwert stärken

Du bist jemand und du bist viel wert! Alles stärken was in Richtung „Selber Leben“ geht: „Etwas Positives, das du selbst geschaffen hast, macht dich glücklicher / zufriedener als jeder Rausch! Und wenn du etwas Schlechtes erfolgreich und ohne „chemische Krücke“ ertragen hast, dann kannst du mit Recht auf dich stolz sein!“

4.      Unterstützung bei der Lebensbewältigung

Hilfe bei der Aufarbeitung von Entwicklungsdefiziten. Erweiterung der Bewältigungsmöglichkeiten durch vielfältige Angebote. Erweiterung der eigenen Kompetenzen und des Blickwinkels. Heraustreten aus der „Komfortzone“ der Co-Abhängigkeit.

5.     Zur Sucht-Vorbeugung gehören

·       Erkennen eigener Stärken und Schwächen

·       Konstruktiver Umgang mit Konfliktsituationen

·       Aufbau einer Kommunikations- und Streitkultur

·       ICH-Stabilität

·       Freude am Leben / Lebensbalance

 

 

 

Nicht nur die Tat war schwer zu ertragen, auch viele Presseberichte zu Winnenden hatten die Grenze zur Geschmacklosigkeit weit überschritten. Statt der gebotenen Rücksicht auf die Opfer und statt sachlicher Darstellung und Problemanalyse wurde viel zu oft sensationsheischend berichtet. Nun hat sich der Deutsche Presserat damit auseinandergesetzt:

Der Presserat hat sich auf seinen Beschwerdeausschuss-Sitzungen am 19. und 20. Mai mit der Berichterstattung über den Amoklauf von Winnenden auseinandergesetzt und 13 Verstöße gegen den Pressekodex geahndet. In den meisten Fällen wurden die Ziffer 8 (Persönlichkeitsrechte) und die Ziffer 11 (Sensationsberichterstattung) verletzt. Der Presserat sprach zwei öffentliche und eine nicht-öffentliche Rüge aus, fünf Missbilligungen und fünf Hinweise.

Quelle:  Pressemitteilung des Deutschen Presserates

Der aus der Ukraine stammende Denys berichtet über seine Lernerfahrungen und Einsichten im Verlauf des Kompetenztrainings CHANGE an der JVA Laufen-Lebenau. Der 17-Jährige denkt u. a. über seine (Lebens-)Ziele und Eigenschaften nach und auch darüber wie er seine Lieblingseigenschaft der Risikobereitschaft für sich und andere positiv anwenden kann.

Interview von Ellen M. Zitzmann mit einem jugendlichen Absolventen des CHANGE Programms an der JVA Laufen-Lebenau am 14.12.2008

Jugendlicher Absolvent: Denys
(c) Power for Peace e. V. München, 2008

Kinder aus Alkoholiker-Familien

 Risiken für co-abhängige Kinder und Jugendliche

·       Sie sind sehr stark gefordert, oft überfordert: Geschwister müssen versorgt, die Mutter / der Vater getröstet werden.

·       Zuhause herrscht ein Klima der „angespannten Ruhe“. Streitereien und Peinlichkeiten werden erlebt.

·       Gefühle von Sicherheit, Zuverlässigkeit und Geborgenheit gehen verloren.

·       Die Sucht des Elternteils besetzt einen derart großen Raum, dass für kaum etwas anderes Platz bleibt.

·       Ängste und Verwirrtheiten vergrößern sich im Laufe der Zeit.

·       Der co-abhängige Elternteil ist durch die Krankheit und die Veränderung des (Ehe-)Partners verunsichert, verwirrt und überfordert. Er / Sie kann die Balance der Familie nicht sichern.

Kinder und Jugendliche entwickeln in diesem System Entwicklungs- und Bindungsstörungen, ihre Identitätsfindung ist erschwert:

·       Sie tun sich schwer mit mitmenschlichen Beziehungen. Tendieren dazu, sich zu isolieren.

·       Sie stehen im Wiederholungszwang und suchen sich Umfelder und / oder Partner, in denen Alkohol konsumiert wird oder es bereits Alkohol-Probleme gibt.

·       Sie erleiden Beeinträchtigungen in Schule, Beruf, Freund- und Partnerschaften.

·       Sie haben ein erhöhtes Suchtrisiko.

Rollen bzw. Überlebensstrategien von Kindern und Jugendlichen

Es gibt typische und oft eingenommene Rollen von Kindern / Jugendlichen und den betroffenen Familienmitgliedern. Die Aufklärung hierüber ist eine Grundbedingung für das „In-Gang-Setzen“ des Heilungs- und Gesundungsprozesses.

1.      Held / Heldin oder „die kleine „Mutter / der kleine Vater“

Tut immer das Richtige, leistungsorientiert, überverantwortlich. Braucht Zustimmung und   Anerkennung von anderen. Kann keinen Spaß empfinden. Kann Fehler und Misserfolg nicht  ertragen …

Kompetent, organisiert, erfolgreich, verantwortungsbewusst, gut in Leistungspositionen, zielbewusst …

 Gefühlsleben: Schmerz- und Schuldgefühle. Fühlt sich unzulänglich. Furcht, dass sie /er  niemals genügen kann.

 Vorteile: Positive Aufmerksamkeit. Versorgt die Familie mit Selbstwert. Ist das Kind, worauf  die Familie stolz ist.

 Entwicklung: Workaholic. Starkes Bedürfnis zu kontrollieren und zu manipulieren. Kann nicht Nein sagen. Tendenz, sich mit (sucht-)abhängigen Partnern zu verbinden.

2.      Sündenbock

Zurückgezogen, verdrossen, macht Ärger auf der ganzen Linie … Mutig, kann unter Belastung arbeiten. Erkennt Realität und geht Risiken ein …

Gefühlsleben: Schmerzgefühl zurückgewiesen und verlassen zu sein. Wut und Aggressivität. Fühlt sich unzulänglich. Selbstwertprobleme.

 Vorteile: Steht im Zentrum der negativen Aufmerksamkeit. Lenkt ab von suchtkrankem Elternteil.

 Entwicklung: Suchtkrankheit, Delinquenz, Teenager-Schwangerschaft, Schwierigkeiten überall.

3.      Verlorenes Kind

Einzelgänger/in, Tagträumer/in, einsam. Belohnt sich auch allein z. B. mit Essen. „Driftet und  schwimmt“ durchs Leben“. Ruhig, scheu, wird übersehen und nicht vermisst …

Unabhängig von der Meinung anderer, kreativ, phantasievoll, erfinderisch, kann sich behaupten …

 Gefühlsleben: Gefühl der Bedeutungslosigkeit. Darf keine Gefühle haben. Einsamkeit. Verlassenheit. Gibt sich von vorneherein geschlagen.

 Vorteile: Entkommt jeglicher Aufmerksamkeit. Hat seine Ruhe: „Wenigstens ein Kind, das keine Schwierigkeiten macht“.

 Entwicklung: Unentschiedenheit, keine Lebensfreude, Beziehungsstörungen: Promiskuität  oder Isolation. Kann nicht Nein sagen. Kann keine Veränderungen eingehen.

4.      Maskottchen

Übermäßig niedlich, still, nett, unreif, ängstlich. Tut alles, um Aufmerksamkeit zu bekommen. Witzig, geistreich, humorvoll, einfühlsam und hilfsbereit …

Gefühlsleben: Selbstwertprobleme. Angst. Gefühl der Einsamkeit und Bedeutungslosigkeit

 Vorteile: Erhält Aufmerksamkeit, weil es andere amüsiert. Schafft mit Komik Erleichterung und  Entspannung.

 Entwicklung: Zwanghafte Clownerien, kann Stress nicht ertragen. Hysterisch. Sucht Held / Heldin als Partner/in.

In diesem bemerkenswerten Interview schildert Alex, 18,seine Lernerfahrungen und Einsichten im Laufe des Kompetenztrainings CHANGE. Der Deutsch-Russe beschreibt sein bisheriges Leben, reflektiert über seine gegenwärtige Situation und schmiedet Pläne für seine Zukunft. Seine Haftzeit nutzte Alex, um seinen Hauptschulabschluss zu machen und sich weiter zu qualifizieren. Während des Trainings lernte er, blockierende und menschenfeindliche Einstellungen zu verändern und sich anderen Kulturen und Religionen zu öffnen. Seine offenen und ehrlichen Worte bewegen.

Interview von Ellen M. Zitzmann mit einem jugendlichen Absolventen des CHANGE Programms an der JVA Laufen-Lebenau am 14.12.2008

(c) Power for Peace e. V. München, 2008