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„Mit 15 fälschte ich meinen Schülerausweis. Ich wollte in die Diskos reinkommen. Dort hatte ich dann das erste Mal mit Ecstasy zu tun. Davon war ich einfach begeistert.Jedes Wochenende ging ich in den Club. Dort habe ich „XTC“ geschmissen und saufen gelernt! Alkohol und „XTC“ war unbe.-schreiblich geil. Das „Kiffen“ langweilte mich.

Mein Körper schüttete so viele Glücksgefühle aus. In der Schule war schlecht drauf war. Obwohl ich so gut wie immer unter Drogen stand, schaffte ich zum Glück meinen Hauptschulabschluss. Ich bekam eine Lehrstelle als Elektriker. Meine Arbeitsleistungen wurden zunehmend schlechter. Mein Chef war früher selbst alkoholabhängig. Ich glaube, das war der einzige Grund, warum er mich nicht auf die Straße setzte. Alle wussten, dass ich ein „Junkie“ bin. Ich selbst wollte es nicht wissen. Ich verdrängte meine Situation.

Ich lernte die wunderschöne Christina kennen. Sie wusste zwar, dass ich Drogen nahm, aber sie nahm mich so wie ich war. Christina nahm keine Drogen. Sie machte gerade ihr Abitur. Es ließ alles gut. Außer, dass wir beide sehr eifersüchtig waren.

Wir waren beide besitzergreifend. Diese Haltung führte zu Streitereien.”

 

Aus „Ich gehe meinen Weg – mit Kraft und Mut verändern”, CHANGE Arbeitsbuch 4, PfP, München 2009


„In der 8. Klasse rief der Direktor der Schule wieder bei meinen Eltern an. Er empfahl ihnen, in meinem Zimmer nach Drogen zu suchen. Als ich nach Hause kam, schmiss mir meine Mutter das Zeug entgegen. Erst schrie sie mich total an. Dann war sie einfach nur verzweifelt. Sie erkannte, dass ihr Sohn süchtig war. Ganz ehrlich, das war mir scheissegal. Mich interessierte nur, wie schnell ich an neuen Stoff kommen konnte.

Meine Eltern machten sich natürlich Sorgen. Sie klärten mich über die Gefahren auf. Ihre Belehrungen gingen echt an mir vorbei. Für mich zählten nur, meine Freunde, dass ich der „Coolste“ war, dass Mädchen auf mich stehen und dass ich genug zu „kiffen“ hatte.

Immer öfters erwischte mich die Polizei. Sie fanden „Dope“. Ich kassierte eine Jugendarreststrafe und verbüßte sie an den Wochenenden.”

 

Aus „Ich gehe meinen Weg – mit Kraft und Mut verändern”, CHANGE Arbeitsbuch 4, PfP, München 2009

„Ich wurde in einer Kleinstadt geboren. Ich bin in einer ganz normalen Familie aufgewachsen. Mein Vater arbeitet in einem großen Autohaus. Meine Mutter in einer Bäckerei.

 Mit 11 Jahren fing ich zu rauchen an. „Gekifft“ habe ich mit 13 Jahren mit einem älteren Cousin. Ich „kiffte“ immer öfters und fing an, mir eigene „Dope-Connections“ aufzubauen.

 In der 5. Klasse bekam ich immer öfters Stress mit den Lehrern. Der Stress zuhause begann, wegen der Mitteilungen und Verweise. Meine Noten waren relativ gut und so hielt sich der Ärger in Grenzen.

 Ich war der „Coolste“ sein und habe mir von niemandem etwas sagen lassen. Der Stress wurde immer größer. Ich „kiffte“ regelmäßig und war auf dem „Gangster-Rap-Trip“.

 Meine Gier nach Anerkennung war groß. Ich verhielt mich scheußlich. Ich verkaufte der Schule Haschisch in der Schule. Damit machte ich zwar kein Geld, aber ich hatte genug zu „kiffen“ und das war mir viel wert.

Ich „kiffte“ vor Schulbeginn und in den Pausen. Mit der Zeit war mir irgendwie alles scheissegal. Die Lehrer merkten, dass ich immer total „prall“ war.”


Aus „Ich gehe meinen Weg – mit Kraft und Mut verändern”, Change Arbeitsbuch 4, PfP, München 2009

Inzwischen zog Tom zu seinem Vater, weil die Mutter einfach nicht mehr mit ihm, trotz der bereits 15 stattgefundenen Beratungstermine, zurechtkam. Nun beteiligte sich auch der Vater an der Erziehungsberatung.

Der erste Beratungstermin, der mit der kompletten Familie stattfinden sollte, war nun der Auslöser für die verhängnisvollen Folgen. Es ging dabei darum, bei welchem Elternteil Tom in Zukunft leben soll. Diese Auseinandersetzung konnte er so sehr nicht ertragen, dass Tom das Treffen verließ, seine Sachen packte und abhauen wollte, um im „deutschen Osten“ ein neues Leben ohne seine Eltern zu beginnen.

Weil aber der gewünschte Zug erst spät in der Nacht ging, verabredete er sich noch mit einem Kumpel. Beide tranken ziemlich viel Bier, dröhnten sich den Kopf mit rechtsradikalen Liedern voll und beschlossen, ein nahe gelegenes Asylantenheim abzufackeln. Die notwendigen Utensilien wie Benzin, Flaschen und Lunten hatte man sich bei früherer Gelegenheit schon besorgt. Ganz spontan konnten sie also nun loslegen und zur Tat schreiten.

Nachts um 2 Uhr fuhren sie zu diesem Heim und bewarfen es mit vier benzingefüllten und entzündeten Flaschen. Tom betrat den Hausflur und verschüttete dort zusätzlich Benzin.  Nachdem er das Haus verlassen hatte warfen beide gemeinsam die Molotow-Cocktails in den Hausgang und durch geöffnete Fenster. Große Teile des Gebäudes standen sofort in Flammen. Den beiden Tätern war bewusst, dass sich zu dieser Zeit eine Vielzahl von Menschen schlafend aufhielten.

 

Glücklicherweise konnten sich aber alle 18 Personen vor den Flammen retten, so dass es zu keinen nennenswerten Verletzungen kam. Nachdem die Ermittlungen abgeschlossen waren und die beiden Täter einige Monate in Untersuchungshaft verbracht hatten, wurden beide zu jeweils 6 Jahren Jugendstrafe verurteilt.

Seit beginn seiner Gymnasialzeit begannen zunehmende Beziehungsprobleme zwischen seinen Eltern, die auch zu Tätlichkeiten führten. Als Tom schließlich 14 war, zog der Vater endgültig aus der ehelichen Wohnung aus. Etwa zur selben Zeit knüpfte Tom Kontakte zur rechtsradikalen Szene im Schulzentrum. Seine Eltern lehnten dies zwar ab, konnten ihn aber nicht daran hindern, dass er entsprechende Literatur und Musik konsumierte. Einen besonderen Eindruck hinterließ bei ihm ein Fußballspiel, das er in Rostock besuchte. Vor allem vom Auftreten der rechtsradikalen Fußball Fans und das machtlose Vorgehen der Polizei begeisterten ihn. Durch die Verängstigung seiner Eltern diesbezüglich noch verstärkt trat er nun vollends in die „nationale“ Szene ein.

Ab der 8. Klasse begann Tom die Schule abzulehnen, d. h. nicht mehr zu lernen. Seine Noten verschlechterten sich. Im Zeugnis der 8. Klasse wurde ihm neben unzureichender schulischer Leistungen obendrein bescheinigt, dass er sich schwer in die Klassengemeinschaft einfügt, unregelmäßig arbeitet und sein Verhalten ständig zu Beanstandungen führt.

Nachdem er das Klassenziel nicht erreichte, wollte er auf die Hauptschule wechseln, was ihm seine Mutter zunächst versprach, ihn aber dann doch an einem anderen Gymnasium die Klasse wiederholen ließ. Der daraus folgende Trotz trieb ihn noch stärker in die rechte Szene. Trotz eingehender (Erziehungs-)Beratung durch das Jugendamt und durch den Verfassungs-schutz, gelang es der Mutter nicht, Tom von seiner rechtsextremistischen Orientierung abzubringen. Aufgrund seines Verhaltens in der Öffentlichkeit, des Tragens von rechtsradikalen Utensilien und der häufigen Teilnahme an NPD Demonstrationen, kam es nun zu ständigen heftigen Auseinandersetzungen mit dem Vater und Großvater.

Teil 3 erscheint am 3.4.2009

Tom wurde in einer Kleinstadt geboren. Er hat noch einen sechs Jahre jüngeren Bruder. Sein Vater war in leitender Position in der Verwaltung tätig. Seine Mutter arbeitete ebenfalls in führender Funktion im Finanzamt. Der Vater war beruflich sehr stark engagiert, bezeichnete sich selbst als „Workaholic“. Seine mangelnde Präsenz in der Familie führte dazu, dass der erzieherische Einfluss durch den Vater auf gelegentlich gemeinsame Unternehmungen beschränkt war. Im Gegensatz dazu neigte die Mutter eher zur Überbehütung. Da aber auch sie ganztägig berufstätig war, verbrachte Tom sehr viel Zeit bei seinen Großeltern, die in der Nähe einen Getränkemarkt betrieben.

Tom besuchte zunächst einen kirchlichen Kindergarten und wurde als begabtes Kind altersgemäß in die Grundschule eines Vorortes eingeschult. Obwohl er durchaus begabt war, übten seine Eltern und Großeltern häufig einen starken Leistungsdruck auf den Jungen aus. Tom war ein freundlicher, aufgeschlossener und eher zurückhaltender Schüler mit unauf-fälligem Verhalten, gleichwohl er sich schon seit der 3. Klasse nicht mehr recht wohl in der Schule fühlte.

Aufgrund seiner guten Leistungen wechselte er in der 5. Klasse auf ein Gymnasium. Von der 5. bis zur 7. Klasse hatte Tom keinerlei Probleme in der Schule. Er wurde durchgängig als ruhiger, sachlicher, fleißiger und konzentrierter Schüler beurteilt. In der 7. Klasse war er sogar Klassensprecher. Doch der anhaltende Leistungsdruck von seinen Eltern führten zu Schlafstörungen.

Teil 2 erscheint am 24.3.2009

 

 

Artikel vom 11.3.2009, Teil 2

Das Wort „AMOK” kommt von malaischmeng-àmok und bedeutet, in blinder Wut angreifen und töten. Es ist ein Zustand heftiger, rasender und wütender Gemütserregung mit Panik und aggressiver Angriffs- und Mordlust.

Amok laufen heißt, in einem Zustand krankhafter Verwirrung mordend umherlaufen. Es gibt Amokfahrer, Amokläufer und Amokschützen.

Ist es aufgestaute Wut, brutale Machtausübung, menschenverachtendes Videomaterial oder sind es psychische Störungen und Erkrankungen wie Schizophrenie, krankhafter Narzissmus? Die Gründe sind komplex und es sind immer individuelle Lebensgeschichten, die es aufzuarbeiten und zu ergründen gilt.

Aufgestaute Wut:

Wenn wir Enttäuschungen, Ängste, Eifersucht, Neid nicht rechtzeitig verarbeiten, sondern sie in uns aufstauen, zuweilen über Jahre hinweg, erhöht sich der innere Druck solange, bis wir dem Stress nicht mehr gewachsen sind. In diesem Zustand wird das Reptiliengehirn mit seinen niedrigen, tierischen Instinkten aktiv. Der körperliche Zustand verändert sich: Blut fließt in die großen Muskelgruppen zur Vorbereitung auf den Überlebensmechanismus „Flucht, Kampf, Schockstarre”. In dieser Extremsituation steigt der Adrenalinspiegel, der Herzschlag erhöht sich, der Blutdruck steigt. Wir atmen schneller und unsere Muskeln sind zu außerordentlichen Leistungen bereit. Der ganze ganze Körper ist auf Aktion ausgerichtet und verabreicht uns hohe Dosen von Stresshormonen. In diesem Tunnel gefangen, kommt es zu blinden, kopflosen, oft gefährlichen Handlungen.

 

Ellen M. Zitzmann, Vorsitzende, Power for Peace München

Die schlechte Nachricht über Gefühle und Emotionen!

Wenn sich Ärger ,Wut, Eifersucht oder Neid aufstauen, dann werden sich diese Gefühle und Emotionen eines Tages sehr negativ auswirken.

Ärger ist ein Gefühl von starkem Unwohlsein, das durch Verletzungen und Provokationen von anderen verursacht wird. Ärger zeigt sich besonders extrem, wenn wir von Familienmitgliedern, engen Freunden oder uns nahestehenden Menschen verletzt und missachtet werden.

Hinter Ärger verbirgt sich häufig ein Gefühl der Rache.

Wut und Ärger sind sekundäre Emotionen. Sie treten auf, weil sie von einem vorausgegangenen Gefühl oder einer anderen Emotion wie Angst, Traurigkeit oder Enttäuschung verursacht sind. Wut und Ärger nehmen im Verlauf zu!

Es werden vier Ärger- und Wutstufen unterschieden:

1. Niedrig: Menschen sind irritiert, genervt, betroffen!

2. Gemäßigt: Verärgert, auf die Palme gebracht, aufgeregt!

3. Hoch: Gewalttätig, aufgebracht, fuchsteufelswild!

4. Äußerst hoch: Rasend, wahnsinnig, gefährlich, mörderisch.

Diskutieren Sie mit uns, Ihrer Familie und Freunden über Ihre derzeitige Ärger- bzw. Wutstufe, wie Sie sich fühlen und was Sie unternehmen, damit sich Ihre Wut nicht verschlimmert?

Morgen erfahren Sie etwas zum Thema „Frusttopf”.

 

Ellen M. Zitzmann, Vorsitzende Power for Peace