„Christina sah bald die Einstiche an meinen Armen. Sie war total geschockt und fertig. Sie flehte mich an, aufzuhören. Ich lief nur noch mit langärmeligen Hemden herum. Meine zerstochenen Arme sollte niemand bemerken. Meine Eltern schöpften Verdacht. Es fehlten ständig Löffel. Ich sah immer kaputter aus. Sie ließen mich in Ruhe. Ich denke, sie wollten es nicht wahrhaben, dass ihr Sohn ein „Junkie“ war.
Die Polizei kam wieder ins Haus. Sie stellten mein Zimmer auf den Kopf. Sie fanden zwar kein Heroin, aber genügend Spritzen. Meinen geschockten Eltern versprach ich, eine Entziehungskur zu machen. Dort wurde ich langsam herunterdosiert. Mein Chef hatte Verständnis. Nach drei Wochen war mein Körper komplett „clean“. Im Kopf war ich immer noch total „geil“ auf Heroin. Am Tag meiner Entlassung setzte ich mir den ersten Schuss. Ich war sofort wieder auf der Droge.
Es verschlimmerte sich alles. Ich brauchte immer mehr. Zum erstenmal war ich richtig krass „affig“.”
Aus „Ich gehe meinen Weg – mit Kraft und Mut verändern”, CHANGE Arbeitsbuch 4, PfP, München 2009
Cliff, 18, berichtet aus seinem Leben, über seine Konflikte mit seinem Vater, seine zahlreichen Heim- und Pflegeunterbringungen. Er denkt über seine Entgleisungen unter Alkohol- und Drogeneinfluss nach, über Anti-Gewalt-Trainings, aber auch über die Psychiatrie und das Jugendamt. Wie er sich sein zukünftiges Leben vorstellt und seinem Kind ein guter Vater sein will, erfahren Sie in diesem Interview.
Interview von Ellen M. Zitzmann mit einem jugendlichen Absolventen des CHANGE Programms an der JVA Laufen-Lebenau am 14.12.2008
(c) Power for Peace e. V. München, 2008
Podcast: Download (10.1MB)
„Mit 15 fälschte ich meinen Schülerausweis. Ich wollte in die Diskos reinkommen. Dort hatte ich dann das erste Mal mit Ecstasy zu tun. Davon war ich einfach begeistert.Jedes Wochenende ging ich in den Club. Dort habe ich „XTC“ geschmissen und saufen gelernt! Alkohol und „XTC“ war unbe.-schreiblich geil. Das „Kiffen“ langweilte mich.
Mein Körper schüttete so viele Glücksgefühle aus. In der Schule war schlecht drauf war. Obwohl ich so gut wie immer unter Drogen stand, schaffte ich zum Glück meinen Hauptschulabschluss. Ich bekam eine Lehrstelle als Elektriker. Meine Arbeitsleistungen wurden zunehmend schlechter. Mein Chef war früher selbst alkoholabhängig. Ich glaube, das war der einzige Grund, warum er mich nicht auf die Straße setzte. Alle wussten, dass ich ein „Junkie“ bin. Ich selbst wollte es nicht wissen. Ich verdrängte meine Situation.
Ich lernte die wunderschöne Christina kennen. Sie wusste zwar, dass ich Drogen nahm, aber sie nahm mich so wie ich war. Christina nahm keine Drogen. Sie machte gerade ihr Abitur. Es ließ alles gut. Außer, dass wir beide sehr eifersüchtig waren.
Wir waren beide besitzergreifend. Diese Haltung führte zu Streitereien.”
Aus „Ich gehe meinen Weg – mit Kraft und Mut verändern”, CHANGE Arbeitsbuch 4, PfP, München 2009
„In der 8. Klasse rief der Direktor der Schule wieder bei meinen Eltern an. Er empfahl ihnen, in meinem Zimmer nach Drogen zu suchen. Als ich nach Hause kam, schmiss mir meine Mutter das Zeug entgegen. Erst schrie sie mich total an. Dann war sie einfach nur verzweifelt. Sie erkannte, dass ihr Sohn süchtig war. Ganz ehrlich, das war mir scheissegal. Mich interessierte nur, wie schnell ich an neuen Stoff kommen konnte.
Meine Eltern machten sich natürlich Sorgen. Sie klärten mich über die Gefahren auf. Ihre Belehrungen gingen echt an mir vorbei. Für mich zählten nur, meine Freunde, dass ich der „Coolste“ war, dass Mädchen auf mich stehen und dass ich genug zu „kiffen“ hatte.
Immer öfters erwischte mich die Polizei. Sie fanden „Dope“. Ich kassierte eine Jugendarreststrafe und verbüßte sie an den Wochenenden.”
Aus „Ich gehe meinen Weg – mit Kraft und Mut verändern”, CHANGE Arbeitsbuch 4, PfP, München 2009
„Ich wurde in einer Kleinstadt geboren. Ich bin in einer ganz normalen Familie aufgewachsen. Mein Vater arbeitet in einem großen Autohaus. Meine Mutter in einer Bäckerei.
Mit 11 Jahren fing ich zu rauchen an. „Gekifft“ habe ich mit 13 Jahren mit einem älteren Cousin. Ich „kiffte“ immer öfters und fing an, mir eigene „Dope-Connections“ aufzubauen.
In der 5. Klasse bekam ich immer öfters Stress mit den Lehrern. Der Stress zuhause begann, wegen der Mitteilungen und Verweise. Meine Noten waren relativ gut und so hielt sich der Ärger in Grenzen.
Ich war der „Coolste“ sein und habe mir von niemandem etwas sagen lassen. Der Stress wurde immer größer. Ich „kiffte“ regelmäßig und war auf dem „Gangster-Rap-Trip“.
Meine Gier nach Anerkennung war groß. Ich verhielt mich scheußlich. Ich verkaufte der Schule Haschisch in der Schule. Damit machte ich zwar kein Geld, aber ich hatte genug zu „kiffen“ und das war mir viel wert.
Ich „kiffte“ vor Schulbeginn und in den Pausen. Mit der Zeit war mir irgendwie alles scheissegal. Die Lehrer merkten, dass ich immer total „prall“ war.”
Aus „Ich gehe meinen Weg – mit Kraft und Mut verändern”, Change Arbeitsbuch 4, PfP, München 2009
LINDA: „Ach Erwin, ich habe nun seit über 25 Jahre einen geheimen Wunsch und ich hatte bisher nicht den Mut, dir diesen zu offenbaren. Einmal in meinem Leben möchte ich mit dir in ein Striptease-Lokal gehen. Am besten, wir gehen heute an unserem Hochzeitstag.”
ERWIN: „Aber Schatz, das ist doch nichts für uns, da ziehen sich junge Frauen vor dem Publikum aus. Das möchte ich mir nicht anschauen. Ich habe doch nur Augen für dich.”
LINDA: „Erwin, du magst Recht haben, aber mein Wunsch ist so groß und ich möchte mich mit eigenen Augen davon überzeugen.”
ERWIN: „Nein und abermals nein und schon garnicht an unserem Hochzeitstag.”
LINDA: „Ich habe jedenfalls beschlossen, mit dir da hin zu gehen. Einen Tisch im Lokal „Nachtigall” habe ich bereits reserviert. Bitte erfüll mir diesen Wunsch. Nur diesesmal.”
Erwin blieb nichts anderes übrig, als mit seiner Frau ins Lokal Nachtigall zu gehen. Als die beiden das Lokal betraten, begrüßte ihn die Garderobenfrau freundlich: „Guten Abend, Herr Baumann!”
LINDA (irritiert): „Erwin, kennt man dich hier?”
ERWIN (ganz leise): „Nein. Das ist die Tochter eines Arbeitskollegen, die zufällig hier arbeitet, ich hatte sie bei einem Betriebsfest flüchtig kennengelernt.”
Herr Baumann und seine Frau setzten sich an den reservierten Tisch. „Guten Abend, Herr Baumann!”, begrüßte der Kellner die beiden.
LINDA (schon sehr irritiert): „Erwin, was hat das zu bedeuten?”
ERWIN: „Schatz, der Kellner hat früher in dem Speiselokal gearbeitet, wo ich immer zu Mittag esse.”
Die Show begann und die Stripperin zog ein Kleidungsstück nach dem anderen aus. Als sie nur noch mit einem knappen Höschen
bekleidet war, fragte sie neckisch: „Wer zieht mir den heute das Höschen aus?”
Im Chor riefen die Gäste: „BAUMANN! BAUMANN! BAUMANN! BAUMANN!”
Frau Baumann schnappte ihre Tasche und rannte wutentbrannt aus dem Lokal. Herr Baumann lief ihr hinterher. Sie stieg in ein Taxi und schrie ihn an: „Du geiler Bock!”
ERWIN (außer Atem): „Aber Schatz!”
LINDA (fuchsteufelswild): „Ich will nichts mehr mit dir zu tun haben!”
ERWIN (beruhigend): „Aber Schatz, reg dich doch nicht so auf. Ich werde das Missverständnis morgen klären und der Lokalinhaber wird sich bei uns entschuldigen. Du wirst sehen.”
LINDA: “Ich glaube dir kein Wort!”
Herr Baumann hatte große Mühe seine Frau zu beruhigen. Schließlich drehte sich der Taxifahrer ungeduldig und schon sichtbar genervt nach hinten und sagte: „Na, Herr Baumann, ich habe Sie ja schon oft mit einer Nutte hier abgefahren, aber solche Zicken hatte noch keine gemacht.”
Wie geht die Geschichte weiter? Schreiben Sie uns!
Mit dem Wort „Krise” verbinden sich Begriffe wie Dilemma, Klemme, Zuspitzung, Notlage, Gefahr, Schwierigkeit(en), kritischer Punkt, unvorhergesehene Lage.
Wenn wir von einer „Krise” sprechen oder in einer „Krise” stecken, dann beschreiben wir einen Zustand, der sich langfristig, oft unmerklich, aufgebaut hat oder der sich aufbauen konnte, weil die einzelnen der Krise zugrundeliegenden Konflikte mangels von z. B. Urteils- und Einschätzungsvermögen, Klarheit, Mut, Verantwortungsvermögen oder mangels (Selbst-)Zufriedenheit, Bescheidenheit nicht rechtzeitig wahrgenommen und frühzeitig gelöst, sondern vielmehr langfristig vermieden, unterdrückt, ignoriert worden sind.
Gesellschaftlichen und persönlichen Krisen wie Finanzkrisen, Massenarbeitslosigkeit, Kinder- und Jugendkriminalität, schwere Erkrankungen, Ehe- Partnerschaftskrisen liegen unbewältigte Konfliktansammlungen zugrunde. Deshalb haben sie (zunächst) sehr negative Auswirkungen auf den einzelnen, eine Gruppe, ein Land, eine Staatengemeinschaft.
Ist eine Krise ausgebrochen, befinden wir uns in einem Zustand, der auf eine Ent-Scheidung drängt, so oder so. Nicht selten ist dies eine Entscheidung auf Leben und Tod, Auflösung oder totale Verhärtung, die weitere Konflikte und Krisen zur Folge hat.
Andererseits treiben uns Konflikte und Krisen an. Sie versetzen uns in Bewegung, spätestens dann, wenn das Dilemma oder die Gefahr zu eskalieren droht oder bereits eskaliert ist, d. h. eine Rezession, eine schwere Erkrankung ausgebrochen ist, wir unseren Arbeitsplatz oder viel Geld verloren haben, die Ehefrau / der Ehemann davongelaufen oder der Autofahrer gegen einen Baum gerast ist.
Was kann aktuell z. B. eine einfache Krankenschwester mit vier Kindern tun, die sich 8 baufällige Häuser ohne Sicherheiten „aufschwatzen” ließ und jetzt den Ruin ihres Lebens verkraften muss? Was kann ein Facharbeiter tun, der seinen Job mangels globaler Nachfrage verloren hat? Was kann jemand tun, dem seine private Rentenvorsorge zusammengebrochen ist?
Sind wir alle machtlos im persönlichen und globalen Machtkampf unsichtbarer (Trieb-)Kräfte oder können wir gerade in Krisen viel Neues lernen, neue Perspektiven gewinnen und unser Leben sinnvoll(er) gestalten?
Nutzen wir also Krise(n) zum Innehalten, zum Nachdenken, zum Dinge und Personen (auch sich selbst) kritisch zu (über-)prüfen: ernsthaft, sich selbst und andere achtend. Denn leider ist es auch so, dass gerade jetzt manche Organisationen unter dem Deckmantel der Krise Maßnahmen begründen und durchführen, die sonst kaum oder gar nicht erklärt und umgesetzt werden könnten.
Wie sagte Kant bereits: „Es ist niemals zu spät, vernünftig und weise zu werden.”
Zeit zum Nachdenken verbunden mit einem sonnigen Osterfest wünscht Ihnen,
Ellen M. Zitzmann
| Die Zeitungen sind täglich voll mit Nachrichten über Gewalt. Gewalt begegnet uns auf Schritt und Tritt: in der Schule, auf der Straße, in der Freizeit, bei der Arbeit, in der S-Bahn, auch im eigenen Heim.
Gewalt richtet sich gegen Menschen und Sachen. Viele beklagen, dass die Gewalt ständig anwächst und Gewalttätigkeiten immer brutaler werden. |
Auf den ersten Blick …
… reicht die körperliche Gewalt von brennenden Wangen nach Ohrfeigen über gebrochene Knochen bis zu lebensgefährlichen Verletzungen. Dabei handelt es sich um eine Tat, die zu körperlichen Schädigungen bei anderen führt.
Auf den zweiten Blick …
… ergeben sich Fragen: Ist jede Ohrfeige Ausdruck von körperlicher Gewalt? Kann von Gewalt gesprochen werden, wenn zum Beispiel ein betrunkener Mann daran gehindert wird, Auto zu fahren und der Helfer oder die Helferin von ihm eine Ohrfeige kassiert?
Denke über die beiden Stellungnahmen nach. Schreibe uns deinen Kommentar.
Welche Erfahrungen mit körperlicher Gewalt hast du schon gemacht?
Inzwischen zog Tom zu seinem Vater, weil die Mutter einfach nicht mehr mit ihm, trotz der bereits 15 stattgefundenen Beratungstermine, zurechtkam. Nun beteiligte sich auch der Vater an der Erziehungsberatung.
Der erste Beratungstermin, der mit der kompletten Familie stattfinden sollte, war nun der Auslöser für die verhängnisvollen Folgen. Es ging dabei darum, bei welchem Elternteil Tom in Zukunft leben soll. Diese Auseinandersetzung konnte er so sehr nicht ertragen, dass Tom das Treffen verließ, seine Sachen packte und abhauen wollte, um im „deutschen Osten“ ein neues Leben ohne seine Eltern zu beginnen.
Weil aber der gewünschte Zug erst spät in der Nacht ging, verabredete er sich noch mit einem Kumpel. Beide tranken ziemlich viel Bier, dröhnten sich den Kopf mit rechtsradikalen Liedern voll und beschlossen, ein nahe gelegenes Asylantenheim abzufackeln. Die notwendigen Utensilien wie Benzin, Flaschen und Lunten hatte man sich bei früherer Gelegenheit schon besorgt. Ganz spontan konnten sie also nun loslegen und zur Tat schreiten.
Nachts um 2 Uhr fuhren sie zu diesem Heim und bewarfen es mit vier benzingefüllten und entzündeten Flaschen. Tom betrat den Hausflur und verschüttete dort zusätzlich Benzin. Nachdem er das Haus verlassen hatte warfen beide gemeinsam die Molotow-Cocktails in den Hausgang und durch geöffnete Fenster. Große Teile des Gebäudes standen sofort in Flammen. Den beiden Tätern war bewusst, dass sich zu dieser Zeit eine Vielzahl von Menschen schlafend aufhielten.
Glücklicherweise konnten sich aber alle 18 Personen vor den Flammen retten, so dass es zu keinen nennenswerten Verletzungen kam. Nachdem die Ermittlungen abgeschlossen waren und die beiden Täter einige Monate in Untersuchungshaft verbracht hatten, wurden beide zu jeweils 6 Jahren Jugendstrafe verurteilt.
Ganz ehrlich: Ich habe die Schnauze gründlich voll. Ich kann es nicht mehr hören. Krise hier, Weltuntergang da, Katastrophe Hinz und Kunz. Jeder, egal ob gefragt oder ungefragt, mutiert zum Untergangsexperten. Die Politik und sogenannte Experten tun ihr übriges und manchmal hat man den Eindruck, dass die Krise grad ganz praktisch daherkommt.
Offensichtlich geht es nicht nur mir so und deshalb beginnt sich gerade eine Gegenbewegung zu etablieren und will den Mutmachertag 2009, zum Beispiel am 17. Juni. Mehr dazu bei Kai-Jürgen Lietz auf dem Entscheiderblog.
Wie schauts denn bei Ihnen aus? Lust mitzumachen? Hören Sie sich doch mal um, reden Sie mit anderen darüber. Spread the word.
Sonnige Grüße,
Alexander



