Willkommen auf » 2009 » März

Seit beginn seiner Gymnasialzeit begannen zunehmende Beziehungsprobleme zwischen seinen Eltern, die auch zu Tätlichkeiten führten. Als Tom schließlich 14 war, zog der Vater endgültig aus der ehelichen Wohnung aus. Etwa zur selben Zeit knüpfte Tom Kontakte zur rechtsradikalen Szene im Schulzentrum. Seine Eltern lehnten dies zwar ab, konnten ihn aber nicht daran hindern, dass er entsprechende Literatur und Musik konsumierte. Einen besonderen Eindruck hinterließ bei ihm ein Fußballspiel, das er in Rostock besuchte. Vor allem vom Auftreten der rechtsradikalen Fußball Fans und das machtlose Vorgehen der Polizei begeisterten ihn. Durch die Verängstigung seiner Eltern diesbezüglich noch verstärkt trat er nun vollends in die „nationale“ Szene ein.

Ab der 8. Klasse begann Tom die Schule abzulehnen, d. h. nicht mehr zu lernen. Seine Noten verschlechterten sich. Im Zeugnis der 8. Klasse wurde ihm neben unzureichender schulischer Leistungen obendrein bescheinigt, dass er sich schwer in die Klassengemeinschaft einfügt, unregelmäßig arbeitet und sein Verhalten ständig zu Beanstandungen führt.

Nachdem er das Klassenziel nicht erreichte, wollte er auf die Hauptschule wechseln, was ihm seine Mutter zunächst versprach, ihn aber dann doch an einem anderen Gymnasium die Klasse wiederholen ließ. Der daraus folgende Trotz trieb ihn noch stärker in die rechte Szene. Trotz eingehender (Erziehungs-)Beratung durch das Jugendamt und durch den Verfassungs-schutz, gelang es der Mutter nicht, Tom von seiner rechtsextremistischen Orientierung abzubringen. Aufgrund seines Verhaltens in der Öffentlichkeit, des Tragens von rechtsradikalen Utensilien und der häufigen Teilnahme an NPD Demonstrationen, kam es nun zu ständigen heftigen Auseinandersetzungen mit dem Vater und Großvater.

Teil 3 erscheint am 3.4.2009

Tom wurde in einer Kleinstadt geboren. Er hat noch einen sechs Jahre jüngeren Bruder. Sein Vater war in leitender Position in der Verwaltung tätig. Seine Mutter arbeitete ebenfalls in führender Funktion im Finanzamt. Der Vater war beruflich sehr stark engagiert, bezeichnete sich selbst als „Workaholic“. Seine mangelnde Präsenz in der Familie führte dazu, dass der erzieherische Einfluss durch den Vater auf gelegentlich gemeinsame Unternehmungen beschränkt war. Im Gegensatz dazu neigte die Mutter eher zur Überbehütung. Da aber auch sie ganztägig berufstätig war, verbrachte Tom sehr viel Zeit bei seinen Großeltern, die in der Nähe einen Getränkemarkt betrieben.

Tom besuchte zunächst einen kirchlichen Kindergarten und wurde als begabtes Kind altersgemäß in die Grundschule eines Vorortes eingeschult. Obwohl er durchaus begabt war, übten seine Eltern und Großeltern häufig einen starken Leistungsdruck auf den Jungen aus. Tom war ein freundlicher, aufgeschlossener und eher zurückhaltender Schüler mit unauf-fälligem Verhalten, gleichwohl er sich schon seit der 3. Klasse nicht mehr recht wohl in der Schule fühlte.

Aufgrund seiner guten Leistungen wechselte er in der 5. Klasse auf ein Gymnasium. Von der 5. bis zur 7. Klasse hatte Tom keinerlei Probleme in der Schule. Er wurde durchgängig als ruhiger, sachlicher, fleißiger und konzentrierter Schüler beurteilt. In der 7. Klasse war er sogar Klassensprecher. Doch der anhaltende Leistungsdruck von seinen Eltern führten zu Schlafstörungen.

Teil 2 erscheint am 24.3.2009

 

 

“Krise kann ein produktiver Zustand sein. Man muß ihr nur den Beigeschmack der Katastrophe nehmen.” (Max Frisch)

Denn dann bietet sie die Möglichkeit, sich bewußt Veränderungen zu öffnen und neue Herausforderungen anzunehmen. Das Leben verläuft in Wellenbewegungen: Nach jedem Tief, nach jeder Krise, kommen immer wieder bessere, gute Zeiten.

Artikel vom 11.und 12.3.09 / Teil 3

Was macht einen Menschen zum Gewalttäter, gar zum Massenmörder?

Diese Frage geht derzeit rund um den Globus. Experten benennen zwar bestimmte Risikofaktoren, die einem Amoklauf vorausgehen, geben jedoch gleichzeitig an, dass ein Amoklauf nicht vorauszusagen sei und sie noch lange keinen Gewalttäter ausmachen.

Es sind Risikofaktoren wie

  • psychische Erkrankungen (zwischen 2-4 Millionen Menschen leiden in Deutschland unter Depressionen, damit verbunden unter Empfindungsverlust und Schwermütigkeit),
  • Schikanen, Demütigungen über einen langen Zeitraum (sprich: Mobbing),
  • Vereinsamung, Isolation, Rückzug, Einzelgängertum und
  • vorausgegangene versteckte, gleichwohl konkrete Hinweise auf eine Selbsttötung.

Warum vereinsamt ein Mensch, warum zieht sich ein Mensch aus seiner realen Welt zurück?

Weil er vielleicht misshandelt, missbraucht worden ist?  Weil er vielleicht emotional vernachlässigt worden ist? … und weil er dadurch vielleicht seine Dialog- und Beziehungsfähigkeit und sein Einfühlungsvermögen verloren hat …

Was macht es darüber hinaus so schwer, eine gewalttätige Tat vorauszukalkulieren?

Nachdem sich ein schrecklicher Vorfall ereignet hat, wird die Handlung rekonstruiert:

  • Was war der Plan?
  • Welche Motivation(en) lagen der Handlung zugrunde?
  • Welche Gründe gab es für die Tat?
  • Welche Reaktionen gingen den Gründen voraus?
  • Welche Probleme hatte der Täter / die Täterin?

Sicherheitsbehörden, Analysten, Experten reagieren. Ein interdisziplinäres Krisenmanagement wird aktiv, zuweilen hyper-aktiv!

Beim Vorauskalkulieren einer möglichen Tat, gibt es hingegen keinen Vorfall, kein kritisches Ereignis. Es gibt Vermutungen, Anhaltspunkte, Risikofaktoren, Verhaltensauffälligkeiten … und es gibt die Möglichkeit, gefährdete Menschen zu erkennen, sich ihnen zuzuwenden, sie zu unterstützen und sie aufzumuntern – vorausgesetzt Frau / Mann besitzt die notwendige Sensibilität, Kraft und eine Menge Zivilcourage, auf diese Menschen zuzugehen, sie nicht auszugrenzen, mit ihnen ins Gespräch (keinen oberflächlichen Smalltalk) zu kommen und zu ihnen Beziehung aufzubauen.

Ich setze mich seit Jahren für die Prävention ein und seit Jahren setze ich mich mit gefährdeten Jugendlichen, vor allem mit Jungen und jungen Männern auseinander, erfahre etwas aus ihrem Leben, ihren Verletzungen, ihren Träumen, ihren Ängsten, ihren Talenten, ihren Fähigkeiten.

Sie öffnen sich mir, weil ich mich ihnen öffne!

Sie sprechen mit mir, weil ich mit ihnen spreche!

Sie hören mir zu, weil ich ihnen zuhöre und mir alles anhöre, auch das, was mitunter schwer zu ertragen ist!

Nur so, lassen sich emotionale Probleme aufarbeiten, die eine mögliche extreme Handlung verursachen können.

Prävention ist ein mühevoller Weg, doch Prävention ist ein menschlicher Weg und er ist, für mich, der einzig richtige Weg!

Ellen M. Zitzmann, Vorsitzende, Power for Peace e.V. München


Steffie, 16, mit einem viel zu hübschen Gesicht für ihr böses Outfit mit Handschellen an der Handtasche, lacht: “Na ja, wenn die Jungs anfangen rumzubrüllen, wird’s schon ganz schön laut. Ich kann mir vorstellen, dass da manche Angst bekommen.” “Und okay, ab und zu schmeißen wir auch mal einen Abfalleimer in den Brunnen, aber nur zum Spaß, und dann holen wir ihn ja später auch wieder raus,” sagt Christian, 15, mit einer arglosen Selbstverständlichkeit in der Stimme.

In den PfP-Kursen erzählen uns Jugendliche ihre Geschichten, die, und wenn sie denn wahr sind, nicht mehr nur Lappalien sind. Wir hören ihnen zu, unterbrechen, wenn wir etwas nicht verstanden haben, fragen nach, informieren und erzählen unsere eigene Geschichten, wenn sie zum “Stoff” gerade passen.

Nach dem Motto “Keiner soll der Beste sein, aber jeder gibt sein Bestes” erzählt uns Rene, 14, von seinen unerfreulichen Zusammentreffen mit der Polizei. “Entweder verschwindest du hier, oder ich polier dir die Schnauze, dass dich deine eigene Mutter nicht wieder erkennt.” Und letztens seien angeblich ein paar Beamte mit einer Polizeiabschlussklasse ein paar Jugendlichen auf den Leib gerückt. “Die haben uns dann übelst gefilzt, damit der Nachwuchs mal was lernt.”

… “Übertrieben wird gern”, sagte eine Lehrerin, die den Kurs begleitet. Anja, 16, die ihre Augen dick mit einem schwarzen Kajalstift umrandet hatte, erzählte von ihrem Nachmittag am Stachus. “Die gesamte Clique hatte beschlossen, sich binnen weniger Stunden volllaufen zu lassen.” Stefan, 19, Lackierer, wird zum Kaufhof geschickt. Wie die meisten Jugendlichen, die sich täglich am Stachus treffen, war auch Stefan arbeitslos. Obendrein hatte er gerade Zoff mit seiner Freundin.

Michael, 17, unterbrach Stefan und meinte, dass man nun endlich ihm zuhören sollte und erzählte, dass er eines Nachts von der Disco nach Hause torkelnd, stockbesoffen, von einem anderen Jugendlichen angerempelt und um eine Zigarette gebeten worden sei. “Hau ab”, murmelte Michael daraufhin und dass er keine Zigarette hätte. Doch der andere hörte nicht auf und plötzlich fiel Michael über ihn her und schlug ihn krankenhausreif. “Als die Polizei kam, das war meine Rettung”, meinte Michael, “den erst da ließ ich von ihm los.” 

Im weiteren Kursverlauf kam heraus, weiterlesen »

Artikel vom 11.3.2009, Teil 2

Das Wort „AMOK” kommt von malaischmeng-àmok und bedeutet, in blinder Wut angreifen und töten. Es ist ein Zustand heftiger, rasender und wütender Gemütserregung mit Panik und aggressiver Angriffs- und Mordlust.

Amok laufen heißt, in einem Zustand krankhafter Verwirrung mordend umherlaufen. Es gibt Amokfahrer, Amokläufer und Amokschützen.

Ist es aufgestaute Wut, brutale Machtausübung, menschenverachtendes Videomaterial oder sind es psychische Störungen und Erkrankungen wie Schizophrenie, krankhafter Narzissmus? Die Gründe sind komplex und es sind immer individuelle Lebensgeschichten, die es aufzuarbeiten und zu ergründen gilt.

Aufgestaute Wut:

Wenn wir Enttäuschungen, Ängste, Eifersucht, Neid nicht rechtzeitig verarbeiten, sondern sie in uns aufstauen, zuweilen über Jahre hinweg, erhöht sich der innere Druck solange, bis wir dem Stress nicht mehr gewachsen sind. In diesem Zustand wird das Reptiliengehirn mit seinen niedrigen, tierischen Instinkten aktiv. Der körperliche Zustand verändert sich: Blut fließt in die großen Muskelgruppen zur Vorbereitung auf den Überlebensmechanismus „Flucht, Kampf, Schockstarre”. In dieser Extremsituation steigt der Adrenalinspiegel, der Herzschlag erhöht sich, der Blutdruck steigt. Wir atmen schneller und unsere Muskeln sind zu außerordentlichen Leistungen bereit. Der ganze ganze Körper ist auf Aktion ausgerichtet und verabreicht uns hohe Dosen von Stresshormonen. In diesem Tunnel gefangen, kommt es zu blinden, kopflosen, oft gefährlichen Handlungen.

 

Ellen M. Zitzmann, Vorsitzende, Power for Peace München

Die schlechte Nachricht über Gefühle und Emotionen!

Wenn sich Ärger ,Wut, Eifersucht oder Neid aufstauen, dann werden sich diese Gefühle und Emotionen eines Tages sehr negativ auswirken.

Ärger ist ein Gefühl von starkem Unwohlsein, das durch Verletzungen und Provokationen von anderen verursacht wird. Ärger zeigt sich besonders extrem, wenn wir von Familienmitgliedern, engen Freunden oder uns nahestehenden Menschen verletzt und missachtet werden.

Hinter Ärger verbirgt sich häufig ein Gefühl der Rache.

Wut und Ärger sind sekundäre Emotionen. Sie treten auf, weil sie von einem vorausgegangenen Gefühl oder einer anderen Emotion wie Angst, Traurigkeit oder Enttäuschung verursacht sind. Wut und Ärger nehmen im Verlauf zu!

Es werden vier Ärger- und Wutstufen unterschieden:

1. Niedrig: Menschen sind irritiert, genervt, betroffen!

2. Gemäßigt: Verärgert, auf die Palme gebracht, aufgeregt!

3. Hoch: Gewalttätig, aufgebracht, fuchsteufelswild!

4. Äußerst hoch: Rasend, wahnsinnig, gefährlich, mörderisch.

Diskutieren Sie mit uns, Ihrer Familie und Freunden über Ihre derzeitige Ärger- bzw. Wutstufe, wie Sie sich fühlen und was Sie unternehmen, damit sich Ihre Wut nicht verschlimmert?

Morgen erfahren Sie etwas zum Thema „Frusttopf”.

 

Ellen M. Zitzmann, Vorsitzende Power for Peace

alkohol

zum Teil 1 der Lebensgeschichte von Walter Klingenbeck
zum Teil 2 der Lebensgeschichte von Walter Klingenbeck
zum Teil 1 der Lebensgeschichte von Walter Klingenbeck

Klingenbeck, von Recklinghausen und Haberl, wurden wegen landesverräterischer Feindbegünstigung, Vorbereitung zum Hochverrat und Schwarzsendens als einzige zum Tode verurteilt. Die anderen Komplizen erhielten Gefängnisstrafen. In der Begründung für die Todesurteile hieß es, die Aktivitäten der Angeklagten hätten dazu beigetragen, „die innere Front zu lähmen“. „Wer in der Notzeit des Krieges in dieser verbrecherischen Weise seinem Volk in den Rücken fällt, ist ein Verräter und hat keinen Platz mehr in der deutschen Volksgemeinschaft.“

Elf Monate verbrachten die drei Todeskandidaten im Gefängnis München-Stadelheim. Am 2. August 1943 waren Daniel von Recklinghausen und Hans Haberl zu acht Jahren Zuchthaus begnadigt worden.

Walter Klingenbeck wurde hingegen drei Tage später, am 5. August 1943 um 17 Uhr hingerichtet. Er ging sehr gefaßt in den Tod, mit dem er wohl schon nach seiner Festnahme gerechnet hatte. Davon zeugen auch die Abschiedsbriefe an seine Freunde. An Hans Haberl schrieb er: „Lieber Johnny! Vorhin habe ich von deiner Begnadigung erfahren. Gratuliere. Mein Gesuch ist allerdings abgelehnt. Ergo geht’s dahin. Nimm’s net tragisch. Du bist ja durch. Das ist schon viel wert. Ich habe soeben die Sakramente empfangen und bin jetzt ganz gefaßt. Wenn du etwas für mich tun willst, bete ein paar Vaterunser. Lebe wohl. Walter.“ In einem weiteren, ähnlich gehaltenen Brief an seinen Freund Max Müller schrieb er: „Ich weiß, wofür ich mein Leben lasse.“

Klingenbecks Gefährten blieben bis zum Kriegsende in Haft. Hans Haberl ließ die Radioleidenschaft auch dort nicht los. Es gelang ihm mit eingeschmuggelten Materialien 1944 einen Kleinstempfänger vor der Größe einer Streichholzschachtel zu bauen. Auf diese Weise durchbrach er für sich und seine Mitgefangenen die Isolation von der Außenwelt.

Die Verhandlung gegen Klingenbeck und seine Mitangeklagten der Vizepräsident des Volksgerichtshofs, Karl Engert, geleitet. Er war ein fanatischer Nationalsozialist der ersten Stunde. 1933 begann sein Aufstieg mit der Berufung als Ministerialrat ins bayerische Justizministerium. Zum Volksgerichtshof kam er 1936. 1938 wurde er dessen Vizepräsident. 1942 stieg er zum Ministerialdirektor im Reichsjustizministerium auf. Nach seiner Auffassung mussten Ankläger und Richter am Volksgerichtshof „in erster Linie Politiker und dann erst Richter“ sein. So hatte der Vater von zwei Töchtern gemäß seiner Devise: „Heil dem Führer“, keine Hemmungen, auch Jugendliche in den Tod zu schicken.

(aus „Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus 1998“, Bezirksausschuss Maxvorstadt: Jürgen Zarusky „… nur eine Wachstumskrankheit?“, Jugendwiderstand in Hamburg und München. Dachauer Blätter 1991, S. 210-229.)