Ein neues Leben ohne Eltern 3/3
Inzwischen zog Tom zu seinem Vater, weil die Mutter einfach nicht mehr mit ihm, trotz der bereits 15 stattgefundenen Beratungstermine, zurechtkam. Nun beteiligte sich auch der Vater an der Erziehungsberatung.
Der erste Beratungstermin, der mit der kompletten Familie stattfinden sollte, war nun der Auslöser für die verhängnisvollen Folgen. Es ging dabei darum, bei welchem Elternteil Tom in Zukunft leben soll. Diese Auseinandersetzung konnte er so sehr nicht ertragen, dass Tom das Treffen verließ, seine Sachen packte und abhauen wollte, um im „deutschen Osten“ ein neues Leben ohne seine Eltern zu beginnen.
Weil aber der gewünschte Zug erst spät in der Nacht ging, verabredete er sich noch mit einem Kumpel. Beide tranken ziemlich viel Bier, dröhnten sich den Kopf mit rechtsradikalen Liedern voll und beschlossen, ein nahe gelegenes Asylantenheim abzufackeln. Die notwendigen Utensilien wie Benzin, Flaschen und Lunten hatte man sich bei früherer Gelegenheit schon besorgt. Ganz spontan konnten sie also nun loslegen und zur Tat schreiten.
Nachts um 2 Uhr fuhren sie zu diesem Heim und bewarfen es mit vier benzingefüllten und entzündeten Flaschen. Tom betrat den Hausflur und verschüttete dort zusätzlich Benzin. Nachdem er das Haus verlassen hatte warfen beide gemeinsam die Molotow-Cocktails in den Hausgang und durch geöffnete Fenster. Große Teile des Gebäudes standen sofort in Flammen. Den beiden Tätern war bewusst, dass sich zu dieser Zeit eine Vielzahl von Menschen schlafend aufhielten.
Glücklicherweise konnten sich aber alle 18 Personen vor den Flammen retten, so dass es zu keinen nennenswerten Verletzungen kam. Nachdem die Ermittlungen abgeschlossen waren und die beiden Täter einige Monate in Untersuchungshaft verbracht hatten, wurden beide zu jeweils 6 Jahren Jugendstrafe verurteilt.



