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Keiner soll der Beste sein, aber jeder gibt sein Bestes!

Steffie, 16, mit einem viel zu hübschen Gesicht für ihr böses Outfit mit Handschellen an der Handtasche, lacht: “Na ja, wenn die Jungs anfangen rumzubrüllen, wird’s schon ganz schön laut. Ich kann mir vorstellen, dass da manche Angst bekommen.” “Und okay, ab und zu schmeißen wir auch mal einen Abfalleimer in den Brunnen, aber nur zum Spaß, und dann holen wir ihn ja später auch wieder raus,” sagt Christian, 15, mit einer arglosen Selbstverständlichkeit in der Stimme.

In den PfP-Kursen erzählen uns Jugendliche ihre Geschichten, die, und wenn sie denn wahr sind, nicht mehr nur Lappalien sind. Wir hören ihnen zu, unterbrechen, wenn wir etwas nicht verstanden haben, fragen nach, informieren und erzählen unsere eigene Geschichten, wenn sie zum “Stoff” gerade passen.

Nach dem Motto “Keiner soll der Beste sein, aber jeder gibt sein Bestes” erzählt uns Rene, 14, von seinen unerfreulichen Zusammentreffen mit der Polizei. “Entweder verschwindest du hier, oder ich polier dir die Schnauze, dass dich deine eigene Mutter nicht wieder erkennt.” Und letztens seien angeblich ein paar Beamte mit einer Polizeiabschlussklasse ein paar Jugendlichen auf den Leib gerückt. “Die haben uns dann übelst gefilzt, damit der Nachwuchs mal was lernt.”

… “Übertrieben wird gern”, sagte eine Lehrerin, die den Kurs begleitet. Anja, 16, die ihre Augen dick mit einem schwarzen Kajalstift umrandet hatte, erzählte von ihrem Nachmittag am Stachus. “Die gesamte Clique hatte beschlossen, sich binnen weniger Stunden volllaufen zu lassen.” Stefan, 19, Lackierer, wird zum Kaufhof geschickt. Wie die meisten Jugendlichen, die sich täglich am Stachus treffen, war auch Stefan arbeitslos. Obendrein hatte er gerade Zoff mit seiner Freundin.

Michael, 17, unterbrach Stefan und meinte, dass man nun endlich ihm zuhören sollte und erzählte, dass er eines Nachts von der Disco nach Hause torkelnd, stockbesoffen, von einem anderen Jugendlichen angerempelt und um eine Zigarette gebeten worden sei. “Hau ab”, murmelte Michael daraufhin und dass er keine Zigarette hätte. Doch der andere hörte nicht auf und plötzlich fiel Michael über ihn her und schlug ihn krankenhausreif. “Als die Polizei kam, das war meine Rettung”, meinte Michael, “den erst da ließ ich von ihm los.” 

Im weiteren Kursverlauf kam heraus, dass Michael mit seiner Freundin Krach hatte und sich dieser Frust in dieser Nacht ein Opfer suchte mit der Konsequenz, dass er nun ein Verfahren wegen schwerer Körperverletzung anhängig hatte. Das erste überhaupt, wovor er große Angst hatte. In der Aufarbeitung seiner Geschichte im Rahmen eines Rollenspiels und in der Rolle als Zuschauer, kam in ihm Reue auf. Er meinte, dass er den jungen Mann, der noch im Krankenhaus sei, besuchen und sich bei ihm entschuldigen wolle.

… Sie sagte “mein Land”, wenn sie von Afghanistan spricht, und manchmal stellte sie sich vor, wie es wäre, wenn sie den deutschen Pass einfach wegwerfen würde. Die 15-jährige Halili sprach akzentfreies Deutsch. Sie schaute mit ihren manikürten Fingernägeln und ihrem winzigen Brillanten in der Nase aus wie andere Mädchen auch. Wenn da das Kopftuch nicht wäre, dass die Klasse oft als blanke Provokation betrachtete.

Sandra, 15, saß neben Halili und hatte die Geheimnisse um ihre Haarfarbe nicht länger ausgehalten. Mitten im Unterricht riss sie ihr das Kopftuch herunter und schikanierte die Schülerin mit offenen Angriffen auf ihre Kultur. Die Lehrerin wusste sich nicht mehr zu helfen und Sandra kassierte ihren fünften Verweis binnen eines Schuljahres. Draußen auf dem Flur, riss Sandra die Wandbilder herunter, was den sechsten Verweis zur Folge hatte.

Der Konflikt wurde in einem Rollenspiel aufgeführt. In der anschließenden Befragung wurden alternative Lösungsmöglichkeiten erarbeitet. Die betroffenen Lehrer schauten zu. Sandra spielte Halili und Halili schlüpfte in die Rolle von Sandra. Beide kamen sich durch den Rollentausch näher und was sie im “wirklichen Leben” provozierte, wurde jetzt zum humorvollen Spiel zwischen zwei Mädchen, die sich mögen.

… Halili zeigte Sandra verschiedene Kopftuch-Bindetechniken und Sandra probierte verschiedene Modelle gleich selber aus. Halili meinte zum Schluss: “Ich bin zerrissen zwischen zwei Kulturen. Da ist einerseits die Liebe zu meinem Glauben, meinen Eltern und Geschwistern. Andererseits ist da die Sehnsucht, so zu leben wie andere Menschen hier auch.” Es war mucksmäuschenstill im Klassenzimmer.

Die CAT (Creative und Active Training)-Kurse vom Verein Power for Peace werden in Zusammenarbeit mit Schulen und Jugendeinrichtungen durchgeführt.

CAT Workshop

Im Mittelpunkt stehen die Verbesserung der demokratischen Erziehung in einer multi-kulturellen Gesellschaft durch die Ausbildung von sozialen, emotionalen und individuellen Kompetenzen. Jugendliche, junge Erwachsene lernen zusammen mit ihren Lehrern den respektvollen Umgang mit sich selbst und anderen.

Weitere Informationen unter: www.powerforpeace.de (Projekt CAT-Creative und Active Training).

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