Amoklauf an der Realschule Winnenden (2/3)
Artikel vom 11.3.2009, Teil 2
Das Wort „AMOK” kommt von malaischmeng-àmok und bedeutet, in blinder Wut angreifen und töten. Es ist ein Zustand heftiger, rasender und wütender Gemütserregung mit Panik und aggressiver Angriffs- und Mordlust.
Amok laufen heißt, in einem Zustand krankhafter Verwirrung mordend umherlaufen. Es gibt Amokfahrer, Amokläufer und Amokschützen.
Ist es aufgestaute Wut, brutale Machtausübung, menschenverachtendes Videomaterial oder sind es psychische Störungen und Erkrankungen wie Schizophrenie, krankhafter Narzissmus? Die Gründe sind komplex und es sind immer individuelle Lebensgeschichten, die es aufzuarbeiten und zu ergründen gilt.
Aufgestaute Wut:
Wenn wir Enttäuschungen, Ängste, Eifersucht, Neid nicht rechtzeitig verarbeiten, sondern sie in uns aufstauen, zuweilen über Jahre hinweg, erhöht sich der innere Druck solange, bis wir dem Stress nicht mehr gewachsen sind. In diesem Zustand wird das Reptiliengehirn mit seinen niedrigen, tierischen Instinkten aktiv. Der körperliche Zustand verändert sich: Blut fließt in die großen Muskelgruppen zur Vorbereitung auf den Überlebensmechanismus „Flucht, Kampf, Schockstarre”. In dieser Extremsituation steigt der Adrenalinspiegel, der Herzschlag erhöht sich, der Blutdruck steigt. Wir atmen schneller und unsere Muskeln sind zu außerordentlichen Leistungen bereit. Der ganze ganze Körper ist auf Aktion ausgerichtet und verabreicht uns hohe Dosen von Stresshormonen. In diesem Tunnel gefangen, kommt es zu blinden, kopflosen, oft gefährlichen Handlungen.
Ellen M. Zitzmann, Vorsitzende, Power for Peace München




Lupus
Also ist Amoklaufen nicht krankhaft (im Gegensatz zu dem, was in Ihren Artikel steht), denn unser Reptiliengehirn sowie die anderen Effekte im Körper sind ebenso natürlich wie auf Grund eines langen Evolutionsprozesses sinnvoll und notwendig – vielleicht nicht mehr ganz zeitgemäß. Aber krankhaft?
Ellen M. Zitzmann
Wiegesagt, ein Amoklauf hat vielfältige Gründe – einer davon ist „aufgestaute Wut”, die irgendwann das Reptilengehirn aktiviert, je nachdem was ein Mensch aushalten und ertragen kann. Der Reptilienmechanismus ist nicht krankhaft, sondern gefährlich, weil das denkende Gehirn blockiert und ausgeschaltet ist und er einem keine Wahlmöglichkeiten lässt. Er ist jedenfalls nicht mehr zeitgemäß. Erwachsene leiden wie Jugendliche unter dem Emotionsstau, der das „Fass” implodieren oder explodieren lässt, eines Tages.
Eine psychische Erkrankung, wie erwähnt, kann einem Amoklauf allerdings auch oder zusätzlich zugrunde liegen.
tom
Schlimm nur, dass nun wieder die “killerspiele” ins Zentrum der Diskussion kommen. Dabei hat das ja nichts damit zu tun. Hier beispielsweise ein Artikel einer Seite, die normalerweise NICHT für Shooter einsteht und dennoch Handlungsbedarf sieht:
http://www.kindgerechte-spiele.de/?p=30
“Der Weg vom Computerspieler zum Massenmörder ist doch bedeutend länger, als der Weg vom Waffenbesitzer zum Amokläufer.”
Ellen M. Zitzmann
Danke für die Anregung und den konkreten Hinweis