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Positiver Außenseiter: Lebensgeschichte von Walter Klingenbeck 3/4

zum Teil 1 der Lebensgeschichte von Walter Klingenbeck
zum Teil 2 der Lebensgeschichte von Walter Klingenbeck

Dass ihr Unterfangen gefährlich war, war den Jugendlichen bewusst. Klingenbeck erzählte seinen Freunden, er sei bereit, bei einer eventuellen Festnahme Gestapobeamte „umzulegen“. Zu diesem Zwecke wollte er sein Zimmer mit einer Starkstromleitung sichern.

Doch Walter hatte offenbar falsche Vorstellungen darüber, woher die Gefahr drohte. Der Geschäftsführerin Clara Dietmayer, bei der er aushilfsweise arbeitete, erklärte Walter gegenüber und während einer Radioübertragung von Hitlers Rede zur Eröffnung des Winterhilfswerks: „Der soll sein Maul nicht so voll nehmen und lieber an seinen siegreichen Rückzug denken.“ Dabei waren noch weitere Personen anwesend. Besonders leichtsinnig aber war, dass Klingenbeck einem Freund von Clara D. erzählte, er habe vor der SS-Kaserne in München-Freimann ein „V“ angemalt und am nächsten Morgen zugesehen, wie es wieder weggewaschen worden sei. Clara D. wurde von ihrem Freund daraufhin unterrichtet. Sie denunzierte Walter Klingenbeck bei der Gestapo. Walter Klingenbeck wurde am 26. Januar 1942 festgenommen.

Bei der Durchsuchung von Walters Wohnung wurden Radiobauteile gefunden, die ihn in den Verdacht des Schwarzsendens brachten. Klingenbeck versuchte sich zunächst darauf hinauszureden, er habe die V-Zeichen als Symbole für den deutschen Sieg gemeint. Der vernehmende Kriminalkommissar, Krüger, glaubte ihm jedoch nicht, zumal er auch aus seiner katholischen Einstellung keinen Hehl machte. Die Gestapo nahm schließlich auch Daniel von Recklinghausen, Hans Haberl und andere Bekannte fest.

Die Ermittlungen dauerten etwas mehr als zwei Wochen. Bis ihr Prozess stattfand, waren die Jugendlichen jedoch fast acht Monate lang in Untersuchungshaft im Münchner Gefängnis am Neudeck, wo Klingenbeck und sein Freund ihren 18. Geburtstag erlebten. Klingenbeck nahm die ganze Verantwortung auf sich und hatte auch Gelegenheit, seine Kameraden entsprechend zu informieren.

Am 24. September 1942 verhandelte der zweite Senat des Volksgerichtshofes in München über den Fall Klingenbeck und andere. Die Verhandlung dauerte einen Tag. Die Angeklagten wurden angebrüllt und als Lausbuben und Rotzjungen beschimpft.

Klingenbecks Freunde hatte den damaligen „Staranwalt“ Dr. Lorenz Roder als Verteidiger, der 1924 Hitler in seinem Hochverratsprozess wegen des Putschversuches vom 9. November 1923 verteidigt hatte.

Ihn hatten die Eltern von Daniel von Recklinghausen gewinnen können. Roder hatte allerdings zu kämpfen. Sein enthusiastischer Appell: „Das Reich ist groß und mächtig. Es kann auch Gerechtigkeit üben und sollte die kleinen Leute nur gering bestrafen“, machte auf die Richter wenig Eindruck.

Der 4. und letzte Teil erscheint am 03.03.2009

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